Prototyp für ein zweites Leben: Der Rotax-912-iS-Umbau einer Aquila 210

Aquila 210

Reportage · Technik · Flugtest

Eine ältere Aquila A210, deren Zelle noch viele Jahre vor sich haben kann. Ein neuer Rotax 912 iS, ein komplett modernisiertes Garmin-Cockpit – und eine Investition von rund 110.000 Euro. Für den aerokurier habe ich mir angesehen, ob ein solches Retrofit für Flugschulen und Betreiber eine Alternative zum Neukauf sein kann.

Dafür habe ich bei FSB Aircraft Maintenance in Schönhagen recherchiert, mit dem Betreiber der ersten umgerüsteten Maschine gesprochen und die Aquila anschließend in Hannover selbst geflogen.

Erschienen im aerokurier, Ausgabe Juli 2026.


Vergaser raus, Einspritzer rein und gleich ein neues Cockpit dazu: Was bedeutet das für Flugschulen, Vereine und Haltergemeinschaften, wenn eine ältere Aquila technisch auf Neumaschinen-Niveau gebracht wird? Ein Prototyp-Umbau in Schönhagen liefert erste Antworten. Inklusive Kosten, Nutzen und Stolpersteinen.

Als bei FSB Aircraft Maintenance in Schönhagen die erste Aquila A210 auf den Rotax 912 iS umgerüstet werden soll, wurde schnell klar: Das ist mehr als nur ein Triebwerkswechsel. Das ist eine strategische Modernisierung. Die Werft hatte bereits begonnen, Neumaschinen auf den Einspritzer umzurüsten beziehungsweise damit auszuliefern. „Wir wollten generell vom Vergaser wegkommen“, sagt Marko Zahradnik, Maintenance Manager bei FSB. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit dem Rotax 912-Vergasermotor (Stichwort Klingel- und Klopfschäden, Leistungsverlust, unruhiger Lauf) hätten diesen Schritt beschleunigt. Entsprechende Service-Bulletins von Rotax seien branchenweit bekannt.

Der enge Kontakt zu Oliver Selber, Inhaber des Flight Center Hannover und Betreiber mehrerer Aquila, führte schließlich zum ersten Retrofit einer älteren Maschine. „Für uns war das der Prototyp-Umbau“, so Zahradnik. Selber wollte bewusst als erster Betreiber den Schritt wagen – auch mit Blick auf seine Flugschule. Denn für gewerbliche Betreiber zählt vor allem eines: Verfügbarkeit.

Die Zelle als Argument

Dass sich eine Aquila grundsätzlich für ein solches Upgrade eignet, liegt aus Sicht von FSB vor allem an der Struktur. In Schönhagen wurden bereits rund 20 sogenannte 6000-Stunden-Kontrollen durchgeführt, bislang ohne strukturelle Beanstandungen. „Wir haben noch keine Ermüdungserscheinungen an der Zelle festgestellt“, betont Zahradnik. In Frankreich nähern sich einzelne Maschinen sogar der 10.000-Stunden-Marke, ebenfalls ohne Auffälligkeiten.

Die Aquila-Zelle gilt damit als „nach oben offen“: keine feste Lebensdauerbegrenzung, keine strukturellen Showstopper. Verschleiß findet primär vorne statt: am Triebwerk und an angebauten Aggregaten. Genau hier setzt das Umbaukonzept an: Wenn ohnehin ein Motorwechsel ansteht, warum nicht gleich einen Technologiesprung vollziehen?

Mehr als ein Motortausch

Ein klassischer Austausch des 912-Vergasermotors liegt aktuell bei rund 30.000 Euro für das Triebwerk, allerdings ohne den Einbau. Mit Einbau summiert sich das Paket auf etwa 36.000 Euro.

Der Schritt zum 912 iS hingegen bedeutet einen deutlich größeren Eingriff. Allein das Triebwerk liegt rund 10.000 Euro über dem Vergaserpendant. Doch damit ist es nicht getan: Rumpfanpassungen, neue Kraftstoffversorgung, elektrische Architektur und vor allem ein komplett neues Instrumentenbrett gehören zum Paket. Für den von FSB realisierten Vollausbau belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 110.000 Euro.

Das klingt zunächst nach einer stolzen Summe. Doch Zahradnik verweist auf das Gesamtpaket: „Man bekommt nicht nur einen neuen Motor, sondern ein von Grund auf modernisiertes Flugzeug mit zeitgemäßer Ausstattung.“

Aquila Umbau Einspritzer Rotax 912 iS

Glascockpit, Autopilot, 800 Kilo MTOW

Die umgerüstete Maschine von Oliver Selber erhielt ein komplettes Dual-Glascockpit auf Garmin-G3X-Basis inklusive zusätzlichem G5. Der Autopilot ist vorbereitet; sobald die formalen Freigaben vorliegen, müssen lediglich noch die Servos eingebaut werden. Voraussetzung dafür ist jedoch die modernisierte Systemkonfiguration mit Einspritzmotor und digitaler Avionik, auf der die Autopilot-Integration basiert. Zudem ist die Maschine auf die Erhöhung der maximalen Abflugmasse auf 800 Kilogramm vorbereitet, was ein Plus von 50 Kilogramm bedeutet.

Für ältere Werknummern eröffnet sich damit eine neue Perspektive. Während der Autopilot derzeit ab Werknummer 355 realisierbar ist, soll die Option in Zukunft auch für frühere Serienmaschinen verfügbar werden. Vorausgesetzt, sie werden im Zuge entsprechender Umrüstungen auf den aktuellen technischen Stand gebracht.

In Summe entsteht so eine Maschine, die funktional mit einer neuen Aquila vergleichbar ist – allerdings auf Basis einer bewährten, strukturell langlebigen Zelle.

Einspritzer: Mehr Leistung, mehr Elektronik

Im Betrieb zeigt der 912 iS laut Zahradnik spürbare Unterschiede. Der Motor spreche direkter an, wirke „spritziger“ und halte seine Steigleistung auch oberhalb von 3000 Fuß konstanter, da das Einspritzsystem automatisch anpasst. Die TBO liegt wie beim Vergaser bei 2000 Stunden.

Ein Highlight ist aus Sicht der Technik vor allem die Hoffnung auf höhere Zuverlässigkeit. Die bekannten Probleme des Vergasers sollen beim iS nicht auftreten. Für Flugschulen ist das ein starkes Argument: weniger Justage, weniger Vergasersynchronisation, weniger ungeplante Standzeiten.

Allerdings bringt die Modernisierung auch einen Paradigmenwechsel in der Wartung mit sich. „Selbstbasteln fällt aus“, sagt Zahradnik. Die Fehlerdiagnose erfolgt elektronisch über das Auslesen von Steuergeräten. Leuchtet eine Warnlampe, ist häufig ein Sensor die Ursache. Ohne Diagnose-Equipment bleibt die Ursache meist verborgen. Die Technik wird moderner, aber auch komplexer.

Schulbetrieb als Belastungsprobe

Interessant sind auch die Beobachtungen der Werft zur realen Motorlaufzeit und der damit verbundenen Belastung. Während in Deutschland meist nur die Flugzeit dokumentiert wird, zeigen internationale Vergleiche (etwa aus der Türkei), dass zwischen reiner Flugzeit und tatsächlicher Motorlaufzeit 300 bis 400 Stunden Differenz liegen können. Rollen, Standläufe, Wartung: all das zählt für den Motor, aber nicht zwingend fürs Bordbuch.

Besonders im Schulbetrieb mit vielen Touch-and-Gos, langen Rollwegen und häufigen Standläufen summiert sich die Belastung. Privateigner erreichen die 2000 Stunden TBO häufig problemlos, Schulmaschinen stoßen mitunter früher an wirtschaftliche Grenzen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Hoffnung auf einen im Schulbetrieb robusteren Einspritzer zusätzlich an Gewicht.

Wirtschaftliche Einordnung

Eine neue Aquila mit 912 iS, Dual-G3X und Autopilot bewegt sich aktuell im Bereich von rund 340.000 Euro. Im Vergleich dazu erscheint ein umfassender Retrofit für etwa ein Drittel dieser Summe plötzlich in einem anderen Licht. Vorausgesetzt, die Zelle ist strukturell in gutem Zustand.

Genau hier sieht die Berliner Flugzeugwerft die Stärke des Konzepts: Eine bewährte, langlebige Struktur trifft auf moderne Avionik und ein zeitgemäßes Antriebskonzept. Für Betreiber mit hoher Auslastung kann das wirtschaftlich wie technisch eine attraktive Option sein.

Der Prototyp in Hannover ist damit nicht nur ein Einzelprojekt, sondern möglicherweise der Auftakt für eine zweite Karriere vieler älterer Aquila.

Selbst geflogen: Die umgebaute Aquila 210

20. Februar 2026, Hannover. Die D-EOKM des Flight Center Hannover steht nach der Vorflugkontrolle auf dem Apron vor dem GAT des Flughafens Hannover. Geflogen wird ein lokaler VFR-Rundflug Richtung Hildesheim und zurück. Mit an Bord: Eigentümer und Flugschulinhaber Oliver Selber.

Aquila 210 Umbau 2026 Cockpit

Schon beim Anlassen zeigt sich der erste Unterschied zur mir vertrauten Vergaser-Aquila: Während beim 912 S lediglich der Zündschlüssel auf Start gedreht wird (ggf. bei gezogenem Choke), ist die Startprozedur beim 912 iS komplexer und stärker checklistenorientiert. Der 912 iS benötigt für seinen Betrieb permanent elektrische Energie; zwei Generatoren versorgen das System. Für den Fall eines doppelten Ausfalls steht eine Backup-Power-Funktion zur Verfügung, die das elektronische Motormanagement auf die Batterie schaltet – allerdings mit klarer zeitlicher Begrenzung: nach 20 Minuten sollte man am Boden sein.

Im Garmin-Cockpit dominieren zwei G3X-Touch-Displays in 10,6- und 7-Zoll-Ausführung, ergänzt durch ein G5 als Referenzinstrument. Analoge Anzeigen gibt es nicht mehr. Ein GTX 330 (übernommen aus dem Vorgänger) übernimmt die Transponderfunktion, ein GNC 255 ergänzt Funk und Navigation. Das Panel wirkt aufgeräumt und zeitgemäß, man fühlt sich mehr in einem Reiseflugzeug als in einer klassischen Schulmaschine.

Was sofort auffällt: Der Motorlauf ist ruhiger. Im Vergleich zu einer A210 mit Vergasermotor wirkt der Einspritzer vibrationsärmer und kultivierter. Auch das verstärkte Bugfahrwerk macht sich bemerkbar, denn beim Rollen lässt sich die Maschine präziser manövrieren.

Am Holding Point der 09C erfolgt der Triebwerkscheck, der aufgrund der Breite des Taxiway Lima sogar mit der Nase im Wind möglich ist. Beim 912 iS gestaltet sich dieser recht kurz: Die Doppelzündung wird bei 4000 1/min (entspricht etwa 1700 1/min Propellerdrehzahl) durch das Ab- und Anschalten von LANE A und B geprüft, Lampen zeigen das Ergebnis an. Anschließend folgt der Check des Verstellpropellers. Nach der Startfreigabe geht es auf die 550 Meter kurze Centerbahn. Vollgas, Beschleunigung, und kurz vor der halben Bahnlänge hebt die Aquila ab. Das Triebwerk zieht kraftvoll, die 2200 Fuß Reiseflughöhe sind nach rund zwei Minuten erreicht.

Im Reiseflug wird der Ladedruck reduziert, die Drehzahl angepasst. Wir verlassen die Kontrollzone über die November-Route nordöstlich, drehen später Richtung Osten und nach einem Vollkreis weiter nach Süden in Richtung Hildesheim ein.

Mit dem Einspritzer verschwindet auch die klassische Vergaservorwärmung. Stattdessen ist eine „Alternate Air“-Klappe vorgeschrieben. Sie ermöglicht es, bei vereistem Luftfilter oder blockierter Frischluftzufuhr warme Luft aus dem Motorraum anzusaugen. Im normalen Betrieb spielt sie kaum eine Rolle. Da der iS sein Gemisch automatisch anpasst, merkt man als Pilot Leistungsveränderungen weniger deutlich als beim Vergaser.

Beim Rückflug meldet Selber einen Überflug der Stadt an, anschließend führt der Anflug über die A2 bei Hannover-Heidehaus in den rechten Queranflug auf die 09R. Hinter einer Eurowings A320 setzt die Aquila mit rund 60 Knoten Fahrt auf.

Der Eindruck nach knapp einer Stunde: Die Kombination aus modernem Glascockpit und kultiviert laufendem Einspritzmotor vermittelt ein deutlich erwachseneres Gefühl. Trotz komplexerer Avionik bleibt die Bedienung intuitiv. Positionsdarstellung und Systemüberwachung sind so präsent, dass ich meine übliche Ausrüstung nicht vermisse: Das Smartphone mit SkyDemon bleibt bei diesem Flug in der Hosentasche.

Das Interview: Mit Fragen kommunizieren

High End 2015: Burmester Audiosysteme GmbH

Die journalistische Form des Interviews gibt einen Dialog zwischen zwei Personen wider. Dabei stelle ich die Fragen so, dass der Interviewpartner Fakten und Geschichten erzählen kann, die ihn und sein Thema für Dritte zugänglich machen und – mit etwas Glück – bisher unbekannte Details ans Tageslicht befördern. Ein Interview lebt von den Aussagen des Interviewten. Je nach Medium und Anlass wird er diese vorsichtig, defensiv, entspannt, entschlossen, lebhaft oder auch aggressiv artikulieren. Entscheidend ist aber, dass man gut zuhört und den Kontext immer im Auge behält.

High End 2015: Das Mekka für Audiophile

Auf der High End 2015, einer der größten Messen für Unterhaltungselektronik im Audio-Bereich, konnte ich den Berliner Unternehmer und Hifi-Hersteller Dieter Burmester interviewen. Burmester starb völlig unerwartet im August 2015 nach kurzer, schwerer Krankheit. Er hatte 1977 eine Manufaktur für hochwertige Hifi-Geräte gegründet und etabliert, der weltweit höchste Anerkennung zuteil wurde. Beim Interview auf der Münchner Messe sprachen wir über High End im Auto.

Im folgenden Text ist das komplette Interview in der finalen Fassung wiedergegeben. Die Schwierigkeit bestand in der Nachbearbeitung, denn Burmester konnte als Experte für das Thema viel erzählen, wollte aber gleichzeitig sichergehen, dass er absolut korrekt wiedergegeben würde. Daher war Nacharbeit nötig, um die Aussagen möglichst unverfälscht zu präsentieren, die Sprache aber so zu gestalten, dass keinerlei Missverständnisse oder Fehlinterpretationen möglich waren. Nur die vorliegende Fassung ist autorisiert, weshalb die Version davor nicht veröffentlicht werden dürfen. Ich kommentiere aber bei einigen Abschnitten, was sich im Vergleich zum ursprünglichen Text inhaltlich geändert hat.

Interview mit Dieter Burmester

Seit wann denken Sie über optimale Beschallung im Auto nach und was war der Auslöser?

Als ich vor etwa 30 Jahren einen Mercedes 420 SL kaufte, entsprach das Soundsystem nicht meinen Erwartungen. Ich ließ mir nachträglich ein hochwertiges System einbauen.

[Burmester war im Gespräch viel ausführlicher und konnte eine schöne Geschichte zum Beginn der Auto-Beschallung erzählen. Letztendlich wollte er es aber sehr sachlich und kurz haben.]

Im Jahr 2002 kam Bugatti mit der Design-Studie Veyron auf mich zu – man plante für dieses Nonplusultra-Auto auch ein entsprechendes High End-System. Wir entwickelten ein System, bei dem beide Insassen eine identische Stereo-Situation hatten, was damals absolut einzigartig war.

Als Porsche den Panamera plante, schlugen wir die anderen drei eingeladenen Firmen, große globale Player der Branche, im Rennen. Beim Blindtest in Weissach schnitten wir als Beste ab, doch bei dem extremen Technologieanspruch, den Porsche hat, wollte man absolut sicher sein, dass wir nicht mit Tricks oder Voodoo arbeiteten, denn sie wollten mit dem Panamera auch beim Soundsystem Maßstäbe setzen. Unsere Abhandlung überzeugte die Ingenieure und wir bekamen den Vertrag.

[Auch hier hätte man eine schöne Story zum Pitch bei Porsche erzählen können. Aus Gründen der Neutralität und den Gegebenheiten der Branche musste es aber ebenfalls sehr sachlich bleiben.]

Als die Zusammenarbeit mit Porsche noch nicht veröffentlicht war, fragte uns Mercedes, ob wir für die neue S-Klasse ein Konzept für ein einzigartiges High End Soundsystem hätten. Wir erhielten viel Freiraum für unsere Ideen und konzipierten sowohl ein Premium System als auch ein High End 3D-System. Mercedes wurde dadurch der erste Hersteller von Luxuslimousinen, der ab Werk ein 3D System anbieten konnte.

Aktuell sind wir in sämtlichen Porsche Modellen, bei Mercedes in allen S-Klasse Modellen, im Maybach Pullman sowie im AMG GT mit beiden Soundsystemen, in der V-Klasse und in der C-Klasse mit dem Premium System ab Werk zu haben.

High End 2015: Burmester Audiosysteme GmbH

Was sind die größten Herausforderungen bei der Beschallung von Autos?

Als erstes natürlich der Klang, aber dann ganz wichtig: das Gewicht!

Bei Porsche und Bugatti kam es auf jedes Gramm an, um bei diesen Super Sportwagen die Performance nicht zu beeinträchtigen! Bei Porsche sind wir von Anfang an in die Entwicklung miteingebunden, um vorgegebene Hohlräume optimal nutzen zu können. Bei der S-Klasse war der Anspruch, in jeder Disziplin, also auch beim Audiosystem, neue Maßstäbe für die Branche zu definieren.

Unser Anspruch ist es, in Zusammenarbeit mit den Automobil-Akustikern und Ingenieuren den jeweiligen Charakter des Fahrzeugs zu treffen. Für jeden Autotyp ist das Schaffen einer Wohlfühl-Atmosphäre eine große Herausforderung, die wir dadurch realisieren, dass jeder Autotyp sein eigenes Soundtuning erhält. Die Insassen sollen nicht mehr über Klang nachdenken – sie sollen sich einfach wohlfühlen. Klang und Automobiltechnik müssen einfach übereinstimmen.

[Hier legte Dieter Burmester auf die technische Komponente Wert und ergänzte einige Passagen, um das Bewältigen der Herausforderungen zu betonen.]

Bringt Ihnen das Gehör als Musiker Vorteile bei der Entwicklung von Automotive-Soundsystemen?

Ich habe das große Glück, dass ich auf der einen Seite mein Leben lang Musik mache und auf der anderen Seite mit Leib und Seele kreativer Ingenieur bin. Obwohl ich in meinem Alter den Frequenzbereich meiner jüngeren Ingenieure nicht mehr habe, scheint es bei der Bewertung von Klangereignissen keine Rolle zu spielen. Die Bewertungen sind sehr ähnlich, aber meistens komme ich aufgrund meiner Erfahrung schneller zum Urteil.

[Der O-Ton aus dem Interview wäre hier toll gewesen, denn er gibt Dieter Burmester als Menschen und leidenschaftlichen Musiker und Musikhörer wieder. Allerdings war ihm diese Passage auch zu gewagt, weshalb sie neutraler formuliert wurde.]

Welches Potential sehen Sie für High End im Auto in den nächsten fünf Jahren?

Wie wichtig High End Audio für die Automobilhersteller geworden ist, erkennt man an der Tatsache, dass Verstärkerleistungen bis weit über 1000 Watt und bis zu 25 Lautsprecher verbaut werden. Für viele Menschen ist das Auto ein Rückzugsort geworden, in dem man positive Emotionen vermittelt bekommt. Eine Stunde Stop and Go morgens und abends in Shanghai, drei Stunden schnurgerader Highway durch Arizona bei maximal 65 Meilen: Was kann man da besseres tun als Musik zu hören?

Der nächste Schritt, das autonome Fahren, macht die Luxuslimousinen zum Wohnzimmer. Der Klang, den man heute in solchen Automobilen geboten bekommt, ist beileibe kein Kompromiss mehr und wird dazu führen, dass Musikliebhaber sich ein besseres System für ihr Wohnzimmer kaufen, weil sie sonst nicht mehr aus dem Auto aussteigen wollen.

[Das Potential der nächsten Jahre wurde von Burmester noch ausführlicher dargestellt als ursprünglich vorgesehen. Eine Frage zur strategischen Ausrichtung und Bedeutung von High-End-Audio im Auto wurde dagegen gestrichen bzw. nicht freigegeben.]

(Das Interview fand am 14. Mai 2015 in München statt.)

Fazit: Man kann bei Interviews davon ausgehen, dass kleine oder auch größere Nacharbeiten nötig sind, wenn der Gesprächspartner es wirklich ernst nimmt. Meine Erfahrung ist, dass unkomplizierte und leidenschaftliche Interviewpartner mit betont lockerer Sprache die kritischsten Leser sind. Im persönlichen Gespräch könnte es eigentlich nicht besser laufen, aber das geschriebene Wort wird genauestens überprüft und auf die Goldwaage gelegt. Daher lohnt sich eine genaue Recherche zum Interviewpartner und das Lesen vorhandener Interviews, um eine Vorstellung zu bekommen. Wer dagegen einen sachlichen und eher knapp antwortenden Gesprächspartner hat, kommt mit einer ausformulierten und zusammenfassenden Gesprächswiedergabe in der Regel gut hin. Als ich einen Professor für Audio-Technologie interviewte, wurde die vorgeschlagene Fassung bis auf zwei marginale Änderungen angenommen. Faktenbasierte Gespräche sind meines Erachtens einfach leichter niederzuschreiben, wenn man im Thema drin ist.

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Von billigen Texten und Content-Zuhältern

John Rusking: Price alone

Lesen und Schreiben sind Kulturtechniken. In diesem Beitrag bekommst du Informationen und Gedanken zum Schreiben von Texten, eine Betrachtung von Angebot und Nachfrage, Sinn und Zweck von guten Texten sowie meine Meinung, warum billige Texte teuer sind.

Hinweis: Dieser Artikel wurde 2016 verfasst und hat inzwischen zwei Updates erhalten.

Lesen und Schreiben unter der Lupe

Jeder von uns war in der Schule. Jeder von uns hat Lesen und Schreiben gelernt. Jeder von uns braucht diese Grundfertigkeiten im täglichen Leben. Und trotzdem gibt es Unterschiede. Während das Lesen (lat. legere: lesen, sammeln) für viele eine leichte Kür ist, mutet das Schreiben (lat. texere: flechten, weben, kunstvoll zusammenfügen) wie die schwere Pflicht an.

Über Informationsaufnahme zum Verständnis

Beim Lesen dekodiere ich visuelle Informationen in Form von Schriftzeichen und gelange über den Inhalt aufgrund meines Vorwissens zum Verständnis. Die Aussage erschließt sich mir, im Idealfall erweitere ich sogar mein Wissen durch den Informationsgehalt. Letztendlich rekonstruiert mein Gehirn, was sich der Autor beim Verfassen eines Texts gedacht hat. Bei professionellen Fachtexten sollte das zumindest so sein.

Hochwertige Texte auf Postkarten und Briefen
Analog, aber wertvoll: Postkarten und Briefe werden erst durch den Text hochwertig und persönlich

Schreiben als Umkehrvorgang des Lesens

So weit, so gut. Schreiben ist im Umkehrschluss also der inverse Vorgang des Lesens: Ich kodiere Informationen in Form von Schriftzeichen und bediene mich dabei einer Syntax, die von anderen verstanden wird. Der Schreibvorgang ist aber ungemein komplexer als der reine Lesevorgang. Während ich als Leser (und analog dazu als Hörer) nur meine Augen oder Ohren zusammen mit dem Gehirn arbeiten lasse, kommen beim Schreiben bewusst aktive und kreative Elemente hinzu: Ich bringe Gedanken mittels eines Eingabegeräts (Stift, Tastatur, Mikrofon/Stimme etc.) auf ein Medium, muss die Information vorher aber bereits verarbeitet und kodiert haben, um eine lesbare oder hörbare Aussage nach allgemein geläufiger Syntax zu schaffen. Dabei durchläuft mein textliches Produkt beim Schreiben mindestens eine Schleife, denn ich überprüfe die Korrektheit und Verständlichkeit durch Gegenlesen. Der Leseprozess ist damit unmittelbarer Teil des Schreibvorgangs.

Kurz gesagt: Schreiben ist eine verflixt komplexe Angelegenheit. Besonders einfaches und verständliches Schreiben ist schwer. Es kostet viel Zeit und Kraft, einen Gedanken so zu formulieren, dass er ohne Umwege die richtigen Synapsen im Hirn passiert.

Easy reading is damn hard writing.

(Nathaniel Hawthorne zugeschrieben)

Schreiben ist eine unglaublich vielseitige Disziplin. Unterschiedliche Themen, Zielgruppen und Textformen stellen unterschiedliche Anforderungen. Ein guter Journalist muss anders arbeiten als ein Werbetexter, ein Fachautor anders als jemand, der eine Reportage schreibt. Nicht jeder muss deshalb Spezialist für eine einzige Textsorte sein. Aber wer professionell schreibt, muss sein Handwerk beherrschen und wissen, wovon er spricht.

Experte wird man durch Lernen, Wissen und Erfahrung

Experte leitet sich vom lateinischen experiri ab, was so viel wie „versuchen“ und „erproben“ bedeutet. Im ursprünglichen Sinn ist der Experte also jemand, der viel ausprobiert und dabei Wissen und Erfahrung gesammelt hat.

Das gilt auch für das Schreiben. Dass wir alle in der Schule schreiben gelernt haben und täglich Texte produzieren, macht uns noch nicht zu professionellen Autoren. Ein Textverarbeitungsprogramm, eine Suchmaschine – und heute auch eine Künstliche Intelligenz – können dabei helfen. Sie ersetzen aber nicht automatisch Wissen, Erfahrung und die Fähigkeit, die Qualität des eigenen Ergebnisses beurteilen zu können.

Ein Vergleich mit der Musik liegt nahe. Der Geiger Yehudi Menuhin soll einmal gesagt haben, dass ein Musiker nur zehn Prozent Talent, aber 90 Prozent harte Arbeit benötige. Der russische Pianist Mikhail Pletnev erzählte mir in einem Interview, dass er als Jugendlicher und junger Mann bis zu 18 Stunden am Tag geübt habe. Später reichten ihm zwei bis drei Stunden täglich, weil Motorik und Gehirn längst trainiert waren und nur noch in Form gehalten werden mussten.

Übertragen auf das Schreiben heißt das: Ein gewisses Grundtalent haben viele. Erfolgreich und professionell werden aber meines Erachtens diejenigen, die konstant überdurchschnittlich schreiben, sich weiterentwickeln, ihr Wissen erweitern und ihre Kreativität bewusst einsetzen. Erfahrung zeigt sich dabei nicht nur darin, gute Sätze formulieren zu können. Sie zeigt sich auch darin, ein Thema zu verstehen, die richtigen Fragen zu stellen und zu erkennen, wann ein Text noch nicht gut genug ist.

Text: Viel Nachfrage, sehr viel Angebot

Text bekommt man inzwischen zu Spottpreisen an jeder Ecke. Weder „Texter“ noch „Journalist“ ist eine geschützte Berufsbezeichnung, jeder darf sich so nennen. Dementsprechend viele Dienstleister sind heute in diesen Sparten online unterwegs. Und zwar meist nur noch online, denn hier gelten andere Gesetze als für Print. Ein Anbieter besorgt sich lediglich eine Domain, setzt ein simples CMS auf und erstellt Inhalte: fertig ist der Online-Auftritt als Texter oder Journalist. Wer das nicht möchte, wird auf Portalen oder in Gruppen für Text fündig. Registrieren, eventuell einen Probetext einreichen und die Arbeitskraft anbieten. Warum das so inflationär gut funktioniert? Weil Content – und dazu gehört Text – die entscheidende Rolle im Online Business spielt.

Auftraggeber, die Text benötigen, haben eine stufenlose Auswahl zwischen superbillig und superteuer. In der Tat scheinen Textlieferanten in den letzten 15 Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen zu sein. Diverse Online-Portale von Content-Zuhältern vermitteln Texter zu jedem erdenklichen Thema in verschiedenen Qualitätsstufen. In sozialen Netzwerken tummeln sich tausende und zehntausende von Schreibern, die ihre Dienste anbieten und sich auf nahezu jeden Auftrag stürzen, als wäre er Freibier. Die damalige Kenngröße für fast jeden Auftraggeber war der Wortpreis. In Low-Budget-Börsen schwankt er im Schnitt zwischen 1 und 4 Cent pro Wort, im mittleren Bereich sind bis zu 8 Cent drin. Ab 9 Cent kann man schon von Oberklasse sprechen, mehr als 15 Cent sind Luxus. Über 20 Cent sind richtig cool, ab 30 Cent ist man in der Business Class angelangt. 40 Cent sind beinahe schon ein Traum, denn das reicht bei guter Auslastung für einen ordentlichen Monatsverdienst. Der teuerste mir bekannte Anbieter für Text nimmt stolze 75 Cent pro Wort. First Class mit Worten. Was ist aber nun der Unterschied zwischen einem Billig-Text und einem hochpreisigen Text?

Zunächst ist es sinnvoll, die beiden Perspektiven von Auftraggeber und Dienstleister zu vergleichen, denn beide haben bei Billig-Text Vor- und Nachteile hinzunehmen. 2016 sah die Ökonomie dieses Marktes ungefähr so aus:

Auftraggeber von Billig-Text

Vorteile Nachteile
Günstiger Einkauf Qualität fraglich
Kann mit Aufschlag weiterverkaufen Nacharbeit wahrscheinlich
Großes Angebot an Textern Zuverlässigkeit fraglich
Unkomplizierte Suche Keine Garantie

Während ein Auftraggeber leicht Texter finden und deren billige Produkte teuer weiterverkaufen kann, muss er mit minderer Qualität und zeitaufwendiger Kontrolle und Nacharbeit rechnen. Außerdem springen Leute schnell ab, wenn sie etwas besser bezahltes bekommen, denn ein Vertrag wird fast nie geschlossen. Bemängelt der Endkunde die Qualität, hat der Auftraggeber ein Problem: Bei billig produziertem Content wird sich der originäre Dienstleister nicht drum scheren. Eine Garantie oder Ansprüche bei Schlechtleistung sind nahezu ausgeschlossen.

Man muss aber auch feststellen, dass für viele Auftraggeber der Preis das einzige Kriterium ist. Es handelt sich oft um Online Marketer oder SEOs, die ihren Kunden Fleisch (Content) liefern sollen und dieses so billig wie möglich einkaufen. Um Qualität geht es hier nicht. Meines Erachtens gehen diese Leute von der größten anzunehmenden Dummheit und dem niedrigsten Qualitätsbewusstsein bei Kunden und Lesern aus. Dabei ist doch ganz klar, warum herausragende Texte Sinn machen und einen Zweck erfüllen:

Liebe Deinen Texter. Lass ihn die geilsten Texte überhaupt schreiben und bezahle ihn dafür königlich. Denn Deine Online-Texte sind mit das wertvollste, selbstbestimmte Asset, über das Du überhaupt verfügen kannst.

(Karl Kratz, https://www.online-marketing.net/termgewichtung/)

Dienstleister für Billig-Text

Vorteile Nachteile
Kann überall und jederzeit arbeiten Viel Arbeit für sehr wenig Geld
Gute Chancen für Aufträge Reicht fast nie zum Überleben
Kann das Hobby zum Beruf machen Versicherungen, Steuer, KSK?
Kann nebenher Geld verdienen Selten regelmäßige Aufträge
Keine besonderen Voraussetzungen nötig Sehr große Konkurrenz

Zunächst klingt es traumhaft, was Texter theoretisch erwartet: Sie können von überall und jederzeit arbeiten, finden eine Fülle von Aufträgen vor und müssen das erstmal nicht hauptberuflich machen. Formale Voraussetzungen gibt es nicht, auf Text-Portalen reicht man nach der Registrierung einen Probetext ein und wird eingestuft. Anschließend kann es auch schon losgehen.

Die Kehrseite: Leben kann davon fast keiner. Die Konkurrenz ist sehr groß, man ist ständig auf Akquise und muss sehen, wie man den Lebensunterhalt samt finanzieller Verpflichtungen bewältigt. Wenn man ehrlich ist: Die meisten Billig-Texter machen es nicht hauptberuflich, sondern nur nebenbei. Schließlich ist konzentriertes Schreiben auf Dauer nicht in täglichen Acht-Stunden-Blöcken unterzubringen.

Der Markt für hochwertige Texte

Neben dem Billigsegment gab es auch einen Markt für Auftraggeber mit hohem Qualitätsanspruch, die bereit waren, professionelle Textarbeit entsprechend zu honorieren. Hier finden Kunden mit hohem Qualitätsanspruch und Texter mit hoher Expertise zueinander. Solche Kunden tummeln sich in aller Regel nicht auf anonymen Textportalen oder in Textgruppen: Diese Auftraggeber wollen zum einen von der Kompetenz des Texters überzeugt sein, zum anderen eine Vertrauensbasis aufbauen. Wer erkannt hat, dass hochwertige Texte ein wertvolles und nachhaltiges Asset sind, möchte genau wissen, wer diese Inhalte verfasst. Damit ist auch die Grundlage für eine regelmäßige oder wiederkehrende Zusammenarbeit geschaffen.

„Der Wortpreis ist kein Argument“

Meine besten Kunden sind zum Großteil über persönliche Empfehlungen via Empfehlungsmarketing zu mir gekommen. Sie haben sich teilweise viel Zeit genommen, um Vertrauen aufzubauen. Erst dann wurden Aufträge erteilt. Auf den üblichen Text-Portalen bin ich nicht zu finden, weil ich mich nicht unter Wert verkaufe. Allein deren Qualitätsstufen sind ein Widerspruch in sich: Wer guten Text will, erwartet selbstredend die höchste Stufe. Die Alternative ist günstiger, aber qualitativ abfallender Verbal-Bullshit. Auch in Texter-Gruppen habe ich noch nie einen Auftrag generiert, weil die Konditionen unannehmbar waren und der Wortpreis alles bestimmt. Wer Text einkauft, nimmt oft den Wortpreis als Entscheidungskriterium bei der Vergabe. Daran erkennt man in der Regel schnell, welchen Qualitätsanspruch ein Auftraggeber hat und ob überhaupt Qualität gewünscht wird.

Das ist in Ordnung so, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Meine Akquise-Kanäle sind aber andere, denn Billig-Text habe ich nie gemacht.

Wann sind billige Texte angebracht?

Obwohl ich ein Feind billiger Texte bin, kann es in bestimmten Fällen Sinn machen, nicht zu viel für Content auszugeben. Text ist zwar für Suchmaschinen sehr wichtig, aber die hochwertige Darstellung nicht für alle Unternehmen angebracht oder notwendig. Schließlich gibt es beispielsweise bei Lebensmitteln auch eine breite Palette vom Discounter über den mittelpreisigen Supermarkt bis rauf zum Edel-Kaufhaus à la KaDeWe.

Schon damals war allerdings klar, dass nicht jeder Text denselben Qualitätsanspruch erfüllen muss. Bei standardisierten Produktbeschreibungen oder großen Onlineshops konnte eine günstige Textproduktion wirtschaftlich durchaus sinnvoll sein. Entscheidend war der Zweck des jeweiligen Inhalts.

Eine Ausnahme bildeten für mich Shop-Betreiber mit hochwertigen, erklärungsbedürftigen Produkten, bei denen Storytelling eine Rolle spielte.

Update 2018: Maschinen beginnen zu schreiben

Wir sind inzwischen technologisch so fortgeschritten, dass Maschinen Texte schreiben können. Auf der AXCD, der Content-Konferenz von AX Semantics, gab es am 4. Juni 2018 viele Vorträge zu den Themen Content Marketing, Textautomatisierung, Growth Hacking und Onpage Optimierung. Zu den Vortragenden gehörten u.a. Karl Kratz, Nils Kattau, Nicolas Sacotte, Andreas Wander und Felix Wunderwald. Die Texterstellung ab 8 Cent pro Text mittels strukturierter Daten ist möglich, lohnt sich aber derzeit nur bei der Abnahme großer Mengen. Da allein die Programmierung und das Setup fünfstellige Summen verschlingen, müssen pro Monat tausende und zehntausende Texte erzeugt werden, damit es ökonomisch sinnvoll wird. Eine Größenordnung, die nur von Unternehmen mit sehr großen Online-Shops erreicht wird.

 

Eröffnung der #axcd im Vollgutlager.

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Update 2026: Und dann kam die generative KI

Acht Jahre nach meinem ersten Update wirkt die damalige Textautomatisierung beinahe wie Technikgeschichte. Was 2018 strukturierte Daten, aufwendige Programmierung, fünfstellige Investitionen und große Textmengen voraussetzte, ist heute für praktisch jeden verfügbar. Generative KI produziert in Sekunden Texte, für die Menschen früher Stunden gebraucht hätten.

Damit hat sich auch meine Sicht auf einige Aussagen dieses Artikels verändert.

Ein guter Text muss heute nicht mehr zwangsläufig viel Zeit kosten. Und ein schnell produzierter Text muss nicht automatisch schlecht sein. Wer sein Thema versteht und KI sinnvoll einsetzt, kann Recherche strukturieren, Informationen auswerten, Varianten entwickeln und Texte in einem Bruchteil der früher notwendigen Zeit erstellen.

Das verändert den Wert professioneller Textarbeit fundamental. Für viele standardisierte Texte braucht man heute tatsächlich keinen professionellen Texter mehr. Produktbeschreibungen, Zusammenfassungen, Varianten vorhandener Inhalte oder einfache Informationstexte lassen sich mit KI oft erstaunlich gut erstellen. Ein Teil des Marktes, über den ich mich 2016 in diesem Artikel aufgeregt habe, wird dadurch schlicht überflüssig.

Interessanterweise macht das gute Kommunikation aber nicht überflüssig. Im Gegenteil.

Wenn Texte nahezu kostenlos und in beliebiger Menge erzeugt werden können, liegt der Wert immer weniger im bloßen Produzieren von Wörtern. Entscheidend wird, was vor und nach der Texterstellung passiert: das Thema verstehen, verlässliche Informationen finden, Zusammenhänge erkennen, Relevantes von Unwichtigem unterscheiden, Aussagen überprüfen, die Perspektive des Empfängers einnehmen – und beurteilen, ob das Ergebnis überhaupt richtig und sinnvoll ist.

KI kann dabei enorm helfen. Sie kann aber auch mit großer Überzeugung Unsinn produzieren. Und sie weiß nicht von selbst, welche Aussage für ein Unternehmen klug, glaubwürdig oder möglicherweise problematisch ist.

Meine Schlussfolgerung von 2016 würde ich deshalb heute anders formulieren: Nicht Wörter sind wertvoll. Verstehen, Einordnen und Urteilen sind wertvoll.

Und vielleicht liegt darin die eigentliche Ironie der Entwicklung: Ausgerechnet eine Technologie, die Texte so billig gemacht hat wie nie zuvor, zeigt ziemlich deutlich, dass das Tippen der Wörter nie der wertvollste Teil der Arbeit war.

Warum billige Texte teuer sein können

Billig ist nicht automatisch schlecht. Das würde ich heute anders formulieren als noch 2016. Das eigentliche Risiko beginnt dort, wo niedrige Produktionskosten mit geringem Anspruch verwechselt werden.

Ein Text kann sprachlich hervorragend klingen und trotzdem sachlich falsch, belanglos oder für den Empfänger vollkommen irrelevant sein. Gerade generative KI macht dieses Problem tückischer: Mittelmäßige Texte sehen heute nicht mehr unbedingt mittelmäßig aus. Sie können ausgesprochen professionell wirken.

Wenn ein günstig und schnell produzierter Text seinen Zweck erfüllt, gibt es keinen vernünftigen Grund, ihn künstlich teuer zu machen. Wenn er aber falsche Informationen verbreitet, Vertrauen beschädigt oder schlicht niemanden interessiert, waren selbst wenige Euro zu viel.

Was ist ein guter Text heute wert?

Die Antwort auf diese Frage ist 2026 komplizierter geworden. Der Wert eines Textes lässt sich weder am Wortpreis noch an der Zeit messen, die jemand für seine Herstellung benötigt hat.

Für standardisierte Inhalte kann eine mit KI unterstützte Produktion vollkommen ausreichend sein. Niemand sollte einen Menschen mehrere Stunden lang Produktbeschreibungen formulieren lassen, wenn sich dieselbe Aufgabe automatisiert in vergleichbarer oder besserer Qualität erledigen lässt.

Anders sieht es aus, wenn Fachwissen, Recherche, Einordnung oder kommunikatives Urteilsvermögen gefragt sind. Je komplexer das Thema und je größer die möglichen Folgen einer Aussage, desto weniger geht es um das bloße Schreiben. Dann braucht es Menschen, die Zusammenhänge verstehen, Ergebnisse beurteilen und Verantwortung übernehmen können.

Damit hat sich auch die Frage verändert, die Auftraggeber stellen sollten. 2016 lautete sie für mich noch: Bin ich bereit, für einen hochwertigen Text angemessen zu bezahlen?

Heute würde ich anders fragen:

Welche Qualität brauche ich für diese Aufgabe – und wie erreiche ich sie möglichst sinnvoll?

Die Antwort kann ein Journalist oder professioneller Autor sein. Sie kann in einem guten KI-Workflow liegen. Sehr häufig wird es eine Kombination aus beidem sein.

Billiger geht tatsächlich immer. Aber teuer ist heute nicht automatisch besser – und billig nicht automatisch schlecht.

Entscheidend ist, ob das Ergebnis seinen Zweck erfüllt.

John Ruskin: Preisorientierung; billiger Text

Masterarbeit mit Ghostwriter: Gesetzeslage und Gefahren

Artikel "Masterarbeit mit Ghostwriter"

Zusammenfassung: In diesem Beitrag erhaltet ihr Informationen zum Ghostwriting von Masterarbeiten, zur Gesetzeslage und den Gefahren beim Engagieren eines Ghostwriters. Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und juristische Korrektheit.

Akademische Arbeiten: Die eidesstattliche Erklärung

Wer ein akademisches Werk wie eine Masterarbeit nicht selbst verfasst, sondern schreiben lässt, kann ein Problem bekommen. Fliegt die Sache auf, war es das mit Titel und Abschluss, wobei der zuständigen Behörde, meist der Universität, hier ein Ermessensspielraum zusteht. Eine fremde Arbeit unter eigenem Namen abzugeben, stellt ein ernstes Vergehen dar. Der eigene Name unter der eidesstattlichen Erklärung steht für die eigene gedankliche Leistung. Verstößt man gegen diese Erklärung, ist theoretisch die Verwirklichung eines Straftatbestands gegeben. Die Exmatrikulation ohne Abschluss und eine Anzeige mit Geldbuße können die Folge sein. Allerdings muss darauf geachtet werden, ob der Universität oder Behörde gesetzlich die Möglichkeit eingeräumt wurde, eine eidesstattliche Erklärung entgegenzunehmen. Kurz gesagt: Die falsche Versicherung an Eides statt ist nur strafbar, wenn die Universität eine solche – qua gesetzlichen Auftrages – entgegennehmen darf. Das ist aber oftmals der Fall. 

Wer vor einer zur Abnahme einer Versicherung an Eides Statt zuständigen Behörde eine solche Versicherung falsch abgibt oder unter Berufung auf eine solche Versicherung falsch aussagt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(StGB § 156 Falsche Versicherung an Eides Statt)

„Das betrifft mich nicht“, werden viele sagen. So soll es auch sein, denn wenn fremdes Gedankengut als das eigene ausgegeben wird, sind akademische Abschlüsse überflüssig. Sie sagen nichts mehr über die persönliche Leistungsfähigkeit und intellektuelle Fachkompetenz einer Person aus. Schließlich zeigt jeder Berufsabschluss, wie gut der Prüfling sein Thema und die Prüfungssituation bewältigt hat. Eine sehr gute Zusammenfassung zum Thema „Wissenschaftsbetrug als Straftat“ gibt es als PDF unter diesem Link.

Masterarbeit: Ist akademisches Ghostwriting legal?

Nun haben aber Enthüllungen der letzten Jahre gezeigt, dass einige Akademiker ihre Titel nicht rechtmäßig erworben haben, weil sie entweder plagiierten oder Ghostwriter beschäftigten. Besonders in brisanten und öffentlichkeitsnahen Bereichen wie der Politik kommt ein solches Fehlverhalten durch Mitwisser oder schriftliche Vermerke oft ans Licht. Ghostwriter können in der Regel recherchieren, strukturieren und wissenschaftlich schreiben. Die Nachfrage für ihre Dienstleistung wächst. Deshalb tummeln sich Dutzende von Ghostwriting-Agenturen auf dem Markt, viele davon mit Sitz außerhalb Deutschlands.

Juristische Grauzone bei Auftragsarbeiten

Sie bewegen sich in einer juristischen Grauzone, denn das Anfertigen von Auftragsarbeiten ist nicht strafbar. Welcher Auftraggeber würde aber eine Arbeit beauftragen, die er selbst nicht verwenden darf? Das Kleingedruckte weist dezent darauf hin, dass eine Verwertung der Arbeit unter dem eigenen Namen nicht möglich, ja sogar strafbar sei. Allerdings garantiere man, dass Verfasser oder Agentur niemals auf das Urheberrecht pochten, falls es doch zu einem urheberrechtlichen „Unfall“ käme. Ist Ghostwriting für akademische Arbeiten nun strafbar oder nicht?

Wer fremdes Gedankengut, egal ob in Textform gekauft oder kopiert, als sein eigenes ausgibt, handelt in aller Regel vorsätzlich oder fahrlässig und macht sich bei einer Arbeit mit eidesstattlicher Erklärung womöglich strafbar. Wer einen Ghostwriter als Berater oder Text-Coach engagiert, nutzt ihn als Strukturierer und Korrekturhilfe für besseres Deutsch. Der Auftraggeber bewegt sich damit in einer Grauzone, schreibt aber die Arbeit letztendlich selbst.

Trotzdem werden Gerichte beim eindeutigen Nachweis der Ghostwriter-Unterstützung bei einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit in nahezu allen Fällen auf eine schwerwiegende, wissenschaftliche Verfehlung entscheiden, die zur Aberkennung eines akademischen Grades führt. Die bestandene Masterarbeit ist ein Nachweis dafür, dass der Kandidat eine eigenständige gedankliche und wissenschaftliche Leistung gemäß den Erwartungen und Vorgaben der Universität erbracht hat. Eine wissenschaftliche Arbeit ist – außer in Ausnahmefällen – kein Teamwork, sondern eine Einzelleistung.

Akademisches Ghostwriting ist strafbar

Von daher muss die Frage im vorherigen Absatz eindeutig mit „ja“ beantwortet werden: Der Begriff „Akademisches Ghostwriting“ ist eine contradictio in adiecto, denn ein Studierender darf zur Erlangung eines akademischen Grades keinen Ghostwriter beschäftigen. Tut er es, macht er sich strafbar. Ein Forschungsprojekt namens „Beschämte Wissenschaft“ am Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) beschäftigt sich ausführlich mit wissenschaftlichem Fehlverhalten.

Ghostwriting ist übrigens völlig rechtens, wenn keine eidesstattliche Erklärung im Spiel ist. Es gibt tausende Ghostwriter in Deutschland, die für Politik, Industrie, Unternehmer und Privatleute schreiben. Der Schreiber überträgt sämtliche Nutzungsrechte auf den Auftraggeber, dieser darf das Werk unter seinem Namen veröffentlichen oder vortragen. Ein Auftraggeber wird aber niemals ein solches Werk als akademische Prüfungsleistung unter seinem Namen einreichen. Der entscheidende Punkt ist, dass die Fremdleistung im akademischen Umfeld zu einem Titel führt, der damit unrechtmäßig erworben wurde.

Masterarbeit: Literaturrecherche in der Bibliothek

Gründe für einen Ghostwriter

Die Gesetzeslage ist eindeutig: Ghostwriting im akademischen Umfeld zählt als Betrug. Wie kommt man daher auf die Idee, einen Ghostwriter in Anspruch zu nehmen?

Grund 1: Man ist zu faul

Die Gründe, die vielen Menschen schnell in den Sinn kommen, sind schlichtweg Unvermögen oder Faulheit. Wer sich bisher gut durchmogeln konnte, für das Studium aber nie richtig motiviert war und Interesse aufbrachte, kommt nun an einen Scheidepunkt: Eine wissenschaftliche Leistung muss in Eigenregie erbracht werden. Und das mit dürftigem Wissen und wenig Enthusiasmus für das Thema. Klingt nach einem Problem. Andere wiederum schlängeln sich elegant und mit wenig Zeitaufwand durch ihr Studium, haben aber keine Lust, wissenschaftlich zu arbeiten und damit persönliche Freizeit einzubüßen. Beide Gruppen sind potentielle Kunden für Texte „von Geisterhand“, wenn sie dafür Geld in die Hand nehmen wollen.

Grund 2: Man tut sich schwer mit akademischem Arbeiten

Andere sind willens und fähig, eine Masterarbeit zu schreiben, tun sich aber mit Themenfindung, Struktur und Zeiteinteilung schwer. Eventuell sind sie auch sprachlich nicht perfekt, sodass dadurch bedingt Unklarheiten und Schwächen in der Argumentation auftreten.

Grund 3: Persönliches

Wenn jemand noch kleine Kinder hat oder aus verschiedenen persönlichen Gründen einfach in Verzweiflung und Chaos versinkt, wird die Zeit schnell knapp und die Gefahr des Scheiterns steigt rasant. Auch hier ist die Beauftragung eines Ghostwriters eine Möglichkeit, um den Abschluss nicht zu gefährden.

So sieht Ghostwriting in der Praxis aus

Beim schnellen Scannen von Beiträgen in einer Gruppe eines Social Media Kanals fiel mir eine Anzeige auf, in der jemand einen Schreiber für einen wissenschaftlichen VWL-Text suchte. Die Alarmglocke ging sofort los, denn man schreibt wissenschaftliche Texte nicht für sich selbst, sondern für Universität oder Hochschule. Das Posting liest sich folgendermaßen:

Illegales Ghostwriting 1
Hier sucht eine Person über einen Social Media Kanal einen Dienstleister, der einen VWL-Text kurzfristig verfasst. Verdächtig ist die Kurzfristigkeit, denn eine wissenschaftliche Arbeit ist planbar.

Es wird also innerhalb von 24 Stunden ein wissenschaftlicher Text aus dem Bereich der VWL benötigt. Da der/die AuftraggeberIn unter dem Klarnamen postete, war es nicht schwer, ihn/sie bei einem Karriereportal wiederzufinden. Und richtig: Die Person studiert aktuell und hat ein Studienmodul mit VWL.

Illegales Ghostwriting 2
Eine schnelle Recherche brachte Licht ins Dunkel: Die beauftragende Person studiert aktuell an der Steinbeis Hochschule Berlin, das Fach BWL/VWL ist als Modul Bestandteil der Ausbildung. Hier werden Module gewöhnlich in Hausarbeiten abgefragt und benotet. Ein wissenschaftlicher Text mit Deadline von einem Studenten: Klingelt es jetzt?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Natürlich gilt zunächst die Unschuldsvermutung, aber es hat ein gewaltiges „Gschmäckle“, wenn eine studierende Person einer privaten Hochschule mit kostenpflichtigen Studiengängen in einer Social Media Gruppe einen wissenschaftlichen Text mit Deadline anfragt. Beweisbar ist es nicht, aber ich bin fest überzeugt, dass die Person die Hausarbeit nicht hinbekommen hat und dringend einen Ghostwriter suchte. Ob dies aus Unvermögen oder Zeitnot geschah, bleibt dahingestellt. Jedenfalls hat sich ein Dienstleister aus der Gruppe gemeldet und eine Privatnachricht an die Person versandt. Was daraus geworden ist: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich aber eine Hausarbeit, die bezahlt und fremdverfasst wurde.

Dem Dienstleister ausgeliefert

Viele Agenturen und Ghostwriter tummeln sich auf dem Markt. Interessanterweise wird in Deutschland oft nach Ghostwritern in der Schweiz gesucht. Vermutlich assoziieren Auftraggeber mit der confoederatio helvetica Verlässlichkeit und Diskretion als zwei Schweizer Tugenden. Eines sollte aber bei der Beauftragung klar sein: Man ist dem Dienstleister ausgeliefert. Auch wenn das Portal, die Agentur oder die Person Anonymität garantieren, schwebt fortwährend ein Damoklesschwert über dem Auftraggeber. Falls Unstimmigkeiten auftauchen oder die Leistung nicht angemessen erscheint, hat der Kunde wenig bis gar keine Möglichkeiten.

Was tun, wenn man durchfällt?

Was soll ein Auftraggeber machen, wenn er mit der teuer bezahlten Masterarbeit durchfällt? Etwa eine Beschwerde einreichen und das Geld zurückverlangen? Keine Chance. Außerdem kann ihn der Ghostwriter bei der Uni an den Pranger stellen. Es ist kein großes Kunststück, Universität und Betreuer eines Auftraggebers herauszufinden. Mit Recherche-Techniken und gesundem Menschenverstand fällt das nicht allzu schwer. Man hat als Kunde für eine Ghostwriter-Leistung mit eidesstattlicher Erklärung also immer die denkbar schlechtesten Karten. Die Masterarbeit mit Ghostwriter bedeutet damit ein sehr hohes Risiko.

Akademische Ghostwriter haben kein Gewissen

Kürzlich hat sich ein deutscher Ingenieur, der hauptsächlich Bachelor- und Masterarbeiten im BWL-Bereich von seiner Basis in Thailand schreibt, als Ghostwriter geoutet. Ein schlechtes Gewissen plagt den Mann aber nicht: „Nein, dafür bin ich als 55-Jähriger zu abgebrüht. Ich kann ruhig schlafen. Als Autor kann ich ja auch juristisch nicht belangt werden. Die Studenten hingegen schon: Die machen sich strafbar, wenn sie unterschreiben, dass sie die Arbeit ohne fremde Hilfe angefertigt haben.“ (Quelle: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/ghostwriter-fuer-bachelor-und-masterarbeiten-der-bwl-macher-a-1083647.html, abgerufen am 30.03.2016). Da der Ghostwriter über eine Agentur geliefert hat, wird es in der Tat schwierig, den Ursprung der Arbeit zurückzuverfolgen. Sollte es aber gelingen, kann er natürlich juristisch belangt werden.

Gleichzeitig zeigen sich hier die Schwächen unseres Bildungssystems in Reinkultur: Zu wenig Zeit für die Betreuung von Studenten, Inflation akademischer Abschlüsse, Anonymität zwischen Dozenten und Studenten, keine Kontrolle der Leistungen.

Akademisches Ghostwriting: teuer und gefährlich

Die denkbar leichteste, aber auch teuerste und gefährlichste Methode ist es, sich die komplette Masterarbeit schreiben zu lassen und diese 1:1 so abzugeben. Neben der Gewissheit, dass die Arbeit bei einer fremden Person liegt und eventuell nicht sicher verwahrt wird, ist der Text kein eigenes Gedankengut und wird nicht perfekt passen. Allein bei der Verteidigung kann das brenzlig werden, wenn Detailfragen auftauchen, die man als „Laie“ gar nicht beantworten kann. Wie schon eingangs erwähnt: Die Tat wurde mit der Abgabe einer Arbeit mit eidesstattlicher Erklärung bereits begangen.

Unabhängig von der moralischen Frage gibt es mehrere Möglichkeiten, einen Ghostwriter innerhalb der juristischen Grauzone einzusetzen:

  • Der Ghostwriter wird als Coach für Themeneingrenzung, Herangehensweise und Text genutzt. Manchmal reichen Hinweise und Tipps schon aus, um selbst weiterzukommen.
  • Der Kunde erstellt mit dem Ghostwriter zusammen eine Agenda und plant den Aufbau der Arbeit. Mit einer klaren Struktur schreibt es sich erheblich leichter.
  • Die Masterarbeit wird lediglich redigiert. Dabei werden inhaltliche Mängel und unlogische Argumentation sichtbar und anschließend ausgemerzt.
  • Quellen und Zitate werden vom Schreibcoach ausgewählt oder geliefert. Diese ergänzen die Argumentation und Struktur.
  • Der Ghostwriter wird zur punktuellen Unterstützung eingesetzt und hilft nur, wenn es nicht mehr weitergeht.

Auch wenn diese Punkte in einem diffusen Bereich der Unterstützung liegen, sind sie bei Anlegen eines strengen Maßstabs schon als Unterschleif zu werten, denn die Leistung wurde nicht mehr eigenständig erbracht. Man könnte allenfalls ein Gegenlesen der Arbeit durch eine andere Person durchgehen lassen, weil dadurch nur Rechtschreibung und Grammatik in Form gebracht werden. Ein Gericht wird in der Grauzone aber immer zugunsten der Universität oder Hochschule entscheiden.

Andere schreiben lassen birgt Gefahren

Man sollte bei alledem nie die Gefahr vergessen: Auch wenn die meisten Universitäten (noch) keine Möglichkeit für den Nachweis einer erschlichenen Leistung haben, ist ihr Archiv für die Ewigkeit gedacht. Der Betrug kann nach Jahrzehnten erst ans Licht kommen, wie einige populäre Fälle in den letzten Jahren gezeigt haben. Damit besteht ein triftiger Grund für eine fristlose Kündigung durch den aktuellen Arbeitgeber, eventuell sogar Schadenersatzforderungen. Dazu kommt der beschädigte Ruf. Wer bei seiner Abschlussarbeit im großen Stil betrogen hat, könnte es nicht bei diesem einen Mal belassen haben.

Auch Ghostwriter kommen nicht so einfach davon, wenn ihre Identität aufgedeckt wird. Sie können der Beihilfe zum Betrug angeklagt werden. Auch die Beihilfe zum Betrug setzt aber voraus, dass die sog. Haupttat ein Betrug ist. Das Vortäuschen von Unwissenheit hilft dann nicht viel: Wer für viel Geld eine komplette Masterarbeit schreibt, rechnet damit, dass sie vom Kunden auch in dieser Form verwendet wird.

Kostenlose Hilfe an der Universität

Übrigens: Hilfe gibt es auch bei Schreibzentren von Universitäten und deren Career Centern. Ganz umsonst. Wer aber partout seine Abschlussarbeit nicht selbst schreiben möchte, sollte sich überlegen, ob er den Abschluss überhaupt braucht. Man kann es auch ohne Zertifikat zu etwas bringen, was viele Studienabbrecher oder Menschen mit Berufsausbildung unter Beweis stellen. Aufgrund der großen Zahl von Ghostwritern im Netz sollte klar sein, dass vermehrt falsche Akademiker unterwegs sein werden. Universitäten können Betrug nur durch bessere Betreuungsschlüssel, veränderte Prüfungsformen und den Einsatz moderner Software eindämmen. Arbeitgebern ist beim Vorstellungsgespräch anzuraten, Detailfragen zur Abschlussarbeit zu stellen oder sogar eine individuelle Aufgabe im Rahmen des Assessments vorzubereiten. Das alles kostet Zeit. Noch mehr Zeit und Geld kostet es eine Firma aber, Betrüger zu ersetzen und den Image-Schaden einzudämmen.

Michael Rassinger schreibt akademische Arbeiten nur für sich selbst. Als Ghostwriter ist er für Kunden tätig, die Werke ohne eidesstattliche Erklärung unter ihrem eigenen Namen oder in Co-Autorenschaft veröffentlichen. Die Entstehung seiner eigenen Masterarbeit beschreibt er im Artikel Masterarbeit schreiben in 17 Tagen, Tipps und Tools werden im Artikel Masterarbeit erfolgreich schreiben vorgestellt.

Nachruf Israel Yinon (1956 – 2015)

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“

Friedrich Nietzsche (Sprüche und Pfeile, Kap. 33)

Der Tod führt uns die Endlichkeit des menschlichen Lebens schmerzhaft vor Augen. Danach bleibt nur noch die Erinnerung. Ich möchte an den israelischen Dirigenten Israel Yinon erinnern. Der Artikel, der ursprünglich für ein deutsches Hifi-Magazin bestimmt war, ist nun zu einem Nachruf geworden. Alle Informationen stammen aus persönlichen Gesprächen mit dem Dirigenten und der E-Mail-Korrespondenz mit ihm.

Israel Yinon: Dirigent, Musiker und Hifi-Enthusiast

Als der israelische Dirigent Israel Yinon am 29. Januar 2015 während eines Konzerts im Kultur- und Kongresszentrum Luzern verstarb, machte die Nachricht schnell die Runde. Völlig unerwartet brach der 59-jährige während der “Alpensinfonie” von Richard Strauss auf der Bühne zusammen. Wenig später konnte nur noch sein Tod festgestellt werden. Während viele deutsche Online-Medien lediglich die DPA-Meldung umstrickten, sind internationale Berichterstatter deutlich ausführlicher. Israel Yinon lebte seit Jahren in Berlin-Pankow, war aber in Deutschland nicht sonderlich bekannt. Lag es daran, dass er zu wenig “Mainstream” dirigierte und sich im hohen Maß unbekannten Komponisten widmete? Ist es heute nicht mehr populär, sogenannte “Entartete Musik” zu entdecken und aufzunehmen? Verstärkt sich die Tendenz des Vergessens von Komponisten und Kompositionen aus der Zeit der beiden Weltkriege in unserer Zeit?

Vorwürfe sind hier fehl am Platze. Für mich steht aber fest, dass Israel Yinon als herausragender und hinterfragender Interpret zu Lebzeiten ein größeres Podium in Deutschland verdient hätte. Seine Karriere fand vor allem international statt, im letzten Jahr unter anderem in Mexiko, China, Italien, der Schweiz und auf Island. Er war ein ausgezeichneter Musiker und trotzdem von großer Bescheidenheit, wie man sie selten findet. Freude fand er an den kleinen Dingen, die sein Leben bereicherten. Dazu gehörten sein Akkordeon, sein Dumont-Harmonium, das er im November 2014 bekam und als größte Inspiration ansah und seine Hifi-Anlage.

“Eventuell war ich nie ein richtiger Akkordeon-Spieler, sondern ein versteckter Harmonist!”

Seit den 90er-Jahren arbeitete der Musiker am perfekten Klang, den er aus der musikalischen Praxis kannte und möglichst originalgetreu in seinem Wohnzimmer wiedergeben wollte. Daher möchte ich an dieser Stelle weniger auf Israel Yinons Karriere als Dirigent eingehen, sondern seine Passion als Hifi-Enthusiast näher beleuchten. Wer sich näher über den Dirigenten informieren möchte, findet einen englischsprachigen Lebenslauf nach der Fotogalerie am Ende der Seite. Im folgenden Video ist ein Gespräch mit Israel Yinon vor einem Konzert an der mexikanischen Universidad Autónoma de Zacateca im Jahr 2013 zu sehen.

Mit wenig Geld den besten Klang

Diesem Credo hatte sich Israel Yinon verschrieben. Wer zu ihm nach Hause kam, sah eine unglaublich komplexe und mehrfach modifizierte Stereo-Anlage. Letztendlich steckten aber keine Unsummen in den Geräten, sondern ein riesiger Zeit- und Höraufwand, um dem perfekten Klang auf die Spur zu kommen. Israel Yinon war der Ansicht, dass Musik auf Tonträgern für jeden zugänglich sein müsse. Daher sollten keine sonderlich teuren Geräte beteiligt sein, sondern die richtigen Komponenten zusammenspielen oder solide gemachte Geräte verbessert werden. Als einziges Hilfsmittel gab es für ihn das Ohr. Sein Hörvermögen war Voraussetzung für die erfolgreiche Karriere als Dirigent. Er selbst beschrieb seine Fähigkeit folgendermaßen:

“Ich bin in meinem Job gut, weil ich höre, wo ein Fehler ist, warum er passiert und wie man ihn beseitigt.”

Vor über 20 Jahren entschied sich Israel Yinon für den Digital-Vorverstärker Evolution DAC 1.2 der deutschen Firma AVM als Basis seiner Hifi-Kette. Das Konzept mit dem integrierten Digital-Analog-Wandler auf der Vorverstärker-Platine überzeugte ihn. AVM nennt in der Bedienungsanleitung des DAC 1.2 explizit die Möglichkeit, die DA-Wandler in Zukunft durch technologisch fortgeschrittenere Bausteine aufzurüsten. Dem Israeli musste dies entgegenkommen, denn er war regelrecht getrieben vom Wunsch nach Verbesserung. Allerdings gab es im Jahr 1995 seinem Empfinden nach keine bessere Technologie als die vorhandenen Bausteine im AVM Evolution DAC 1.2: “Besser ging’s nicht!”

Tausch von Bauteilen wird zum Alptraum

Daher begann Yinon, systematisch Bauteile auszutauschen und zu ersetzen. Zusammen mit einem elektronisch versierten Bekannten setzte er damit an, Bauteile nach Gehör zu selektieren. Mittels Hilfsplatinen wurden die Chips, Widerstände und Kondensatoren im Vorverstärker untergebracht und in diversen Konstellationen erprobt. Das Hören gestaltete sich über Jahre hinweg zum persönlichen Alptraum, erzählte Israel Yinon. Dabei war seine Rolle ausschließlich die des Hörenden, der Respekt vor dem Beruf des Hifi-Konstrukteurs hat: “Ich bleibe Dirigent! Ich bin kein E-Techniker oder Ingenieur, ich höre nur.”

Auf die Frage nach Vinyl und Röhre als Tonträger respektive Technologie reagierte Israel Yinon überraschend: “Ich habe wohl Aufnahmen von Schallplatte auf Röhrengeräten gehört. Aber: Meine Aufnahmen wurden alle digital gemacht, ich muss daher auch digital abhören. Schließlich verkaufe ich CDs und höre sie zuhause, da wäre es moralisch nicht richtig, auf die Platte zu setzen.”

Die Lautsprecher Israel Yinons wurden 1999 von Gunter Glaser entwickelt. Von ihm konnte der Dirigent eigenen Aussagen nach das aktive Hören vervollkommnen. Seiner Ansicht nach hat die Elektronik letztendlich mehr Einfluss auf den Klang, wenn die Lautsprecher gut konstruiert sind. Das Teuerste an Yinons Schwallwandlern waren nicht die Chassis, sondern die massiven Ahorn-Gehäuse von Satelliten und Subwoofer. Als aktive Weiche spielte eine Proteus 2.4 in der Kette. Die Crossover-Frequenzen legte der Dirigent auch rein nach dem Gehör fest, ebenso die Einstellung der Filter.

“Ich habe mich immer an Live-Musik orientiert. Welchen Bezugspunkt sollte ich sonst nehmen?”

Als Endverstärker setzte Israel Yinon einen HIFIAkademie PowerAmp Mod. 3 ein, die komplette Verkabelung kam von Wilbrand Acoustics (ein Tipp aus dem Hifi-Magazin STEREO). Zuspieler war ein modifizierter Marantz CD-10 aus den 90er-Jahren, der sein Signal über eine Tent Audio Clock an die Digital-Sektion im AVM DAC lieferte.

Studioalltag und Hifi

Das Interesse für Hifi und die hochwertige Musikwiedergabe kam bei Israel Yinon durch den Studioalltag. Er spielte im Lauf seiner Karriere rund 28 CDs ein und entwickelte dabei ein Verständnis für die Technik dahinter. Eine Geschichte illustriert, welchen Stellenwert Yinon als Dirigent genoss. Bei seiner Einspielung von “Der letzte Pierrot” Ende der 90er-Jahre wurde von der Decca erstmals im hochauflösenden Format aufgenommen. Tonmeister war der berühmte Jimmy Lock, der als Urgestein der Decca so etwas wie der “Godfather of Recording Engineers” war. Diesem Mann wagte keiner zu widersprechen, nicht einmal berühmte Dirigenten. Beim Abhören der Aufnahme registrierte Israel Yinon eine Unausgewogenheit im Klang und sagte zu Lock: “Die Kontrabässe bitte 1 dB weniger.” Den Umstehenden stockte der Atem ob dieser Verwegenheit! Lock aber führte die gewünschte Änderung ohne Kommentar aus. Seitdem verband die beiden Männer eine Freundschaft.

Aufregender Chip-Fund in Los Angeles und Taipeh

Die Hifi-Kette von Israel Yinon wurde immer besser, aber beim Herzstück, den Wandler-Chips, schien kein Fortschritt in Sicht. Durch Zufall fand der Musiker aber fünf der letzten Burr-Brown PCM63P-Y in Los Angeles, “die besten Chips für 20/48 (Bit/kHz)!” Mittels in Taipeh erworbener Adapter konnte er diese DA-Wandler-Bausteine in seine Kette integrieren. Damit schien für mehrere Jahre erstmal Ruhe in das Hifi-Leben des Dirigenten gekommen zu sein. Was gab es jetzt noch zu verbessern?

2007 wurde Yinon auf eine australische Marke aufmerksam: Burson Audio. Neuartige Operationsverstärker weckten sein Interesse, sodass er sich eine Anzahl zuschicken und in seinen Vorverstärker einbauen ließ. Mit dem Ergebnis war Israel Yinon sehr zufrieden, beschädigte aber aus Versehen ein Bauteil bei einem Vergleichstest. Er schrieb die Australier an und bat um eine Ersatzlieferung. Als das Ersatzteil eingebaut war, registrierte der Dirigent eine klangliche Veränderung. Nur sehr subtil, aber für ihn deutlich hörbar. Erneut wandte er sich an Burson Audio und reklamierte das Austausch-Bauteil, weil es anders klänge. Die Antwort der Australier ließ nicht lange auf sich warten:

“Wie konnten Sie das hören? Wer sind Sie? Warum hören Sie so etwas?”

Tatsächlich hatte man eine neue Serie nach Berlin geliefert, die optisch nicht von der alten zu unterscheiden war. Seit diesem Zeitpunkt war Israel Yinon inoffizieller Testhörer für Burson Audio. 2014 bekam er als erster die neuen Operationsverstärker in der 3. Generation zu hören, die 2015 ausgeliefert wurden. Bezeichnenderweise heißt der neue Pre-Amp und DAC der australischen Firma “Conductor Virtuoso“. Alex von Burson gibt sich erschüttert über den Tod des Dirigenten und Ratgebers: “I received this news with the heaviest of heart. He has been our dear friend and mentor since 2007 and he has guided Burson through out the years towards his musical understanding and preference. So many times we have seeked his opinion during our designing process and so many times he has steered us back onto the right path. He always took time to made sure that we understood.”

Der Dirigent tritt ab

Die letzte von insgesamt 55 E-Mails von Israel Yinon erhielt ich am 8. Januar 2015. Ich möchte es nicht versäumen, aus ihr zu zitieren, denn daraus wird ersichtlich, was für eine Seele von Mensch der israelische Dirigent war.

“Beim HiFi ist es ganz fantastisch geworden, insbesonders nachdem ich den Burson Conductor’s DAC-Out an meinem AVM Pre-Amp-In angeschlossen habe (mit einem weiteren Silver Signal-Kabel von Wilbrand, diesmal nur 30cm lang). Die Musik ist sowas von lebendig im Zimmer – man kann sich das so kaum vorstellen!
Alles in allem passt es jetzt super beim HiFi, ebenso wie auch beim Bugari [Akkordeon] und beim Harmonium (ich habe die fehlende Resonanzbox aus verschiedenen Kartons “nachgebaut”, also simuliert; hat nicht mal 10 Min. gedauert; das Harmonium klingt damit viel runder, resonierend, schöner).
Wann sehen wir uns? Nächste Woche (Montag) reisen wir nach Barcelona. Danach kommt Luzern und wir werden erst am 31.01. zurückkommen.
[…]
Apropos, wenn Du es möchtest, dann können wir ein paar Minuten am Sonntag finden und die Burson/AVM Kombi hören. Ich denke, es ist ein Hammer!”

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Maestro Israel Yinon

Born in 1956, Israel Yinon studied conducting with Prof. Mendy Rodan and Noám Shariff at the Rubin Academy of Music in Tel-Aviv and Jerusalem. His extraordinary talent for conducting was internationally recognized when his debut CD, the world premiere recording of the symphonic works of Viktor Ullmann (with the Brno Philharmonic Orchestra) garnered both the German Reviewers’ Recording Prize and Gramophone’s CD of the Year — Critic’s Choice, in 1993. His British debut followed the same year with the BBC Philharmonic Orchestra in a televised concert.

His revival of Hans Krása’s opera “Betrothal in a Dream” at the Prague State Opera in (his opera debut) won him the Cultural Prize of the Czech government in 1995. His American debut with the same work at the Kennedy Center with the Washington Opera company provided “clearly the musical event of the year” (Washington Times, 1996). The Independent on Sunday chose his other remarkable revival, Pavel Haas’s opera “The Charlatan” at Wexford Opera Festival, as “Opera of the Year 1998” in England. His recording of the opera for Decca was nominated for the “2000 Cannes Classical Award”. His other recording for Decca, Karol Rathaus’ symphonic music with the DSO Berlin, won him a second German Reviewers’ Recording Prize.

Many orchestras, wide repertoire

Maestro Yinon has performed with many of Europe’s leading orchestras, including the Gewandhaus Orchestra in Leipzig Opera Haus, the National Symphony of Ireland, the Royal Philharmonic London, the SWR Symphonie-Orchester Baden-Baden, the Holland Radio Symphony Orchestra, the Royal Flemish Philharmonic, the Konzerthausorchester Berlin, the Concertgebouw Kamerorkest, the Warsaw Philharmonic, the Filarmonica Arturo Toscanini, the State Symphony Orchestra Novaya Russia in Moscow.

Alongside his strong grip on the common “classical” repertoire, Maestro Yinon is well known for his revivals and interpretation of music considered lost as a result of WWII. Among others he made numerous CDs and radio recordings with the renowned German Radio Symphony Orchestras of Berlin, Cologne, Saarbrücken, Hannover and Stuttgart, with the BBC Symphony in London, the Hungarian TV & Radio Symphony, the Prague Radio Symphony and the BBC Philharmonic.

Specialist for „Entartete Musik“

In a special promotional CD, entitled “Bewegte Zeiten, Neue Musik in der Weimarer Republik, 1913- 1933”, Deutsche Grammophon has honoured Maestro Yinon’s Universal Classics recordings next to Giuseppe Sinopoli, Karl Böhm and Richardo Chailly. “From the Depths of Oblivion,” his concert series in Graz (Cultural Capital City of Europe, 2003) with its Symphony Orchestra and as its chief conductor, earned him the Golden Medal of Honor of the City of Graz.

Maestro Yinon’s “impessioned conducting“ (The Daily Telegraph) and thoughtful interpretations are often mentioned in the rave reviews he is getting all over the world. The german “Das Orchester” Magazin wrote in his 7/8, 2013 issue about Yinon’s gala concert with the Filarmonica Toscanini in BASF, Germany, the following: “A marvelous concert […] Great music making! […] Yinon brought the very best out of the orchestra […] He was fascinating and fully engaged, ran the orchestra masterfully and carried the enthusiastic audience along with him”.

Maestro Yinon conducted lately the Lithuania National Symphony Orchestra in Vilnius, the Armenian Philharmonic in Yerevan, the UNAM Philharmonic in Mexico City, the Bucharest “Enescu” Philharmonic in Bucharest, as well as the Beijing Symphony in the “Forbidden City”. He has opened the 10th Czech Mahler-Festival where he conducted the Prague Symphony Orchestra, to be soon broadcasted on Czech TV. He also conducted the Iceland Symphony Orchestra in Reykjavik. Israel Yinon died aged 59 while conducting a concert in Lucerne on January 29th 2015.

Vinyl-Renaissance bei Edel

Eterna AAA Cuts

Die Edel AG aus Hamburg befeuert die Vinyl-Renaissance: Fünf bedeutende Aufnahmen des Eterna-Labels aus der ehemaligen DDR wurden neu aufgelegt.

Historie von Eterna

Der Sänger und Schauspieler „Ernst“ Albert Busch (Jg. 1900) gründete zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen mit zwei Kompagnons die Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH im besetzten Berlin. Möglich wurde dies, weil Busch der Sowjetischen Militäradministration als Emigrant, deutscher Widerstandskämpfer und Kommunist bekannt war. Die Lizenz wurde zunächst für Schallplatten der Sparten ETERNA (Klassische Musik) und AMIGA (Tanzmusik) vergeben, die Gesellschaft am 13. März 1947 ins Handelsregister beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingetragen. Busch schien seine Kontakte zu den Sowjets gut nutzen zu können, denn bereits am 30. Januar 1947 wurde in einem Zweigwerk im Erzgebirge die Produktion aufgenommen.

Finanziell stand die Firma allerdings auf wackligen Beinen. Der Justitiar der Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone (ZVV) prüfte im August 1947 die Lied der Zeit Produktionsstätten und schlug aufgrund der drohenden Illiquidität des Betriebs die Übernahme durch die ZVV vor, um eine weltweit konkurrenzfähige Plattenindustrie auf die Beine zu stellen. Der Plan blieb zunächst nur auf dem Papier bestehen, wurde aber schnell Realität: Trotz eines Darlehens in Höhe von 866.000 Reichsmark zum Ausgleich der Verluste der Jahre 1947 bis 1949 ging die Rechnung für Lied der Zeit nicht auf. Das Unternehmen, welches auch einen eigenen Musikverlag betrieb, wurde daher bereits wenige Jahre nach seiner Gründung am 1. April 1953 enteignet und verstaatlicht. Aus der Schallplatten-Gesellschaft mbH ging am 23. März 1955 im Handelsregister der Volkseigene Betrieb (VEB) Deutsche Schallplatten Berlin hervor, der Musikverlag war gleichzeitig vom Gesamtunternehmen abgetrennt worden. Eines der bedeutendsten Label dieses VEB war Eterna, das sich auf klassische Musik spezialisierte und von seiner Gründung bis zur Wende auf über 5.000 Veröffentlichungen kam.

Die Teilung Deutschlands trennte viele Künstler und Kulturstätten Ostdeutschlands hinter dem Eisernen Vorhang ab. Gleichzeitig entwickelte die Abteilung Musik des Ministeriums für Kultur in der DDR den Ehrgeiz, ein großes Repertoire an klassischer Musik einzuspielen und auch zu vertreiben. Die Mangelwirtschaft machte es aber schwer, an die dringend benötigten Rohstoffe zu gelangen. Zudem war dem Ministerium für Handel nicht bewusst, welche Besonderheiten es bei der Herstellung und dem Handel mit Schallplatten gab. Erst 1965 konnte durch eine Vereinbarung die Koordination zwischen den Ministerien sichergestellt werden, was zu einem schrittweisen Ausbau des Handels führte.

Nach dem Aufbau eines Grundrepertoires in den 50er-Jahren widmete sich Eterna der systematischen Erweiterung der Musikbibliothek. Hierfür wurden auch ausländische Künstler eingekauft, denn Aufnahmen mit diesen erschlossen zum einen neue Märkte und brachten zum anderen Valuten in die Kasse, mit denen dringende Anschaffungen bei Equipment und Material getätigt werden konnten. Der VEB Deutsche Schallplatten trug mit seinen Einnahmen auch bis zuletzt zum Staatshaushalt bei.

Als herausragend können die Eterna-Einspielungen mit den großen Orchestern (darunter das Gewandhausorchester Leipzig und die Staatskapelle Dresden) und traditionsreichen Chören (Kreuzchor, Thomanerchor) der DDR angesehen werden. Stars wie Kurt Masur, Peter Schreier, Kurt Sanderling, Ludwig Güttler und Theo Adam waren auch international bekannt und renommiert. Daneben gab es immer wieder Kooperationen mit Labels aus Westdeutschland und dem Ostblock, die in Lizenzausgaben resultierten.

Nach der Wende und der damit verbundenen Währungsunion gelang es nicht, den VEB Deutsche Schallplatten in eine GmbH umzuwandeln, die in einer Freien Marktwirtschaft hätte existieren können. Unklare Besitzverhältnisse, häufiger Personalwechsel und verfehlte Strategien aufgrund des Monopolverlusts führten bei dem 1991 in DSB Deutsche Schallplatten GmbH Berlin umbenannten Ex-VEB dazu, dass die Kataloge der Labels einzeln verkauft wurden. 1993 übernahm die Edel AG die bestehenden Rechte am Klassikrepertoire, das unter den Warenzeichen „Eterna“ und „Berlin Classics“ vertrieben wurde.

Technik zur Überspielung

Bei der Herstellung der neuen Vinyl-Serie bediente sich die Edel AG der Tochterfirma Optimal Media in Röbel an der Müritz. Das hauseigene Audio Mastering Studiosector5 ist eine bekannte Institution, wenn es um die Produktion von Vinyl geht. Umfangreiches Analog-Know-how und die entsprechenden originalen Maschinen aus der Blütezeit der Vinyl-Produktion stehen bei Optimal Media zur Verfügung. Auch werden sämtliche Masterbänder von Eterna klimatisiert im Archiv der Firma aufbewahrt. Studioleiter Thorsten Wyk ist sich des einzigartigen historischen und technischen Werts bewusst: So seien fast alle Bänder des ehemaligen VEB Deutsche Schallplatten in einem guten bis sehr guten Zustand.

Aufgrund dieser Tatsache verzichtete man bei der Produktion auf jeglichen digitalen Zwischenschritt und damit ein Remastering. HiFi-Puristen dürfen also aufatmen, denn originaler lassen sich Analog-Aufnahmen nicht auf Vinyl übertragen. Die Bezeichnung AAA, ein Code der Society of Professional Audio Recording Services(SPARS), bedeutet demnach, dass sowohl Aufnahme als auch Abmischung und Mastering auf analogen Geräten durchgeführt wurden. Es herrscht keine Einigkeit bei Vinyl-Hörern, ob eine rein analoge Produktionskette hörbare Vorteile bringt, schließlich komme es vor allem auf das Können der Tonmeister und Toningenieure sowie die fachkundige Aufbereitung für das Medium Vinyl an. Bei der Eterna Vinyl-Serie war dieses Vorgehen aber nur konsequent, denn zum einen entfiel durch den ausgezeichneten Zustand der Bänder aus den Jahren 1961 bis 1975 ein Remastering, zum anderen ist das originale Analogequipment vom Bandgerät bis zur Pressmaschine bei Optimal Media vorhanden.

Zum Abspielen der Masterbänder wurde eine Studer A80 Bandmaschine verwendet, die über einen zwischengeschalteten Neumann EQ die VMS-80/82 DMM Schneidmaschinen (ebenfalls von Neumann) mit der analogen Kost versorgt. Je nach Ausgangsmaterial entschied man sich für das Lackschnitt- oder DMM-Verfahren zur Herstellung der Pressmatrize. Auf der Deckelrückseite der Eterna-Bänder sind technische Hinweise der jeweiligen Produzenten der Aufnahmen notiert. Diese Anweisungen für das Aussteuern und den Gebrauch des Equalizers konnten von Studioleiter Thorsten Wyk bei Optimal Media genau befolgt werden. Selbst mehrere Jahrzehnte nach der Herstellung der Masterbänder treffen die Produzenten-Notizen noch zu, was für die Qualität des Materials spricht. Neben dem sector5 Mastering Studio in Röbel bieten nur wenige Studios in Deutschland den Vinylschnitt an. Die Abbey Road Studios in London verfügen als traditionsreiche Aufnahme-Location ebenfalls über VMS-80/82 DMM Schneidmaschinen.

(Dieser Text entstand als Vorwort für die “AAA Eterna Cuts” Edition.)

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Im Pick-up durchs Königreich

Sunset at Sukhothai Historic Park

Thailand bedeutet nicht nur Inseln und Strand. Im Norden des Landes gibt es viel zu sehen und erleben. Michael Rassinger fuhr über 2.000 km im Toyota Hilux von Bangkok über Chiang Mai und Mae Hong Son zurück in die Hauptstadt.

Thailand muss für einen Westeuropäer, der zum ersten Mal in Asien ist, ein Land der Gegensätze sein: Konsumtempel und Wellblechhütten, Luxusautos und Rostlauben, Superreiche und extrem Arme – alles auf engstem Raum in der Großstadt. Was auf den ersten Blick so gegensätzlich erscheint, ist für Thais aber nicht mehr als die gelebte Realität. Der eine hat eben viel, der andere wenig oder gar nichts. Auch die Floskel „mai pen rai“ ist sehr verbreitet. Der thailändische „way of life“ ist geprägt davon, denn übersetzt heißt es nichts anderes als „macht nichts“ oder „schon in Ordnung so“. Thais meiden Auseinandersetzungen und Streit, daher tut man unangenehme Dinge einfach und unkompliziert ab. Sie werden schon nicht so schlimm sein. So ist auch zu erklären, dass im chaotischen Straßenverkehr in Thailand überraschend wenig gehupt wird. Es ist für einen deutschen Autofahrer fast befremdlich, ständig Verkehrsverstöße zu erleben, die aber niemanden zu stören scheinen. Ein Hupkonzert wäre in Deutschland noch das Geringste. In Thailand dagegen herrscht buddhistische Gelassenheit, wenn große Pick-ups wie ein Toyota Hilux durch die engen Straßen drängeln.

In Thailand ist das Auto mehr als Statussymbol

Thais sind auch autovernarrt. Die eigenen vier Räder sind überlebensnotwendig, allein wegen der Klimatisierung im Inneren. Nie würde ein Thai auf die Idee kommen, in der Hitze fünfzig Meter zum Supermarkt zu laufen, wenn doch das Auto vor der Tür steht. Es mag Ausnahmen geben, aber wenn Annehmlichkeiten wie eine Klimaanlage geboten werden, benutzt man sie auch konsequent. Auch wird dem Thailandbesucher die große Zahl an Autowerkstätten, Autohändlern, Reifen- und besonders Felgenhändlern an den Straßen auffallen. Die Zulassungszahlen steigen und nichts tun viele Thais lieber, als ihren geliebten fahrenden Untersatz nahe am Kitsch zu pimpen. Von Felgen in jeder noch so knallbunten Farbe über Riesen-Spoiler, Unterbodenbeleuchtung und Mega-Auspuff bis hin zum pinken Kristall-Türknopf: Erlaubt ist, was gefällt.

In der Galerie habe ich die besten Bilder und Motive der achttägigen Reise angelegt:

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Schöne Autostrecken in Nordthailand

Thailand bietet abseits der quirligen und chaotischen Hauptstadt Bangkok für den Autofahrer erlebnisreiche und schöne Strecken. Besonders in Nordthailand mit zeitweise mediterranem Klima und bergiger Landschaft gibt es mit dem Auto viel zu entdecken. AUTO unternahm daher eine Tour durch den Norden und wählte Tagesstrecken und Unterkünfte so aus, dass auch eine Familie mit Kindern die Reise bewältigen kann. Als Transportmittel stellte Toyota Motor Thailand freundlicherweise einen Toyota Hilux 2.5E Double Cab Prerunner VN Turbodiesel mit 144 PS zur Verfügung. Fünf Personen und haufenweise Gepäck auf der Ladefläche passen problemlos in den Toyota. Solche Pickups sind Standard in Thailand und auch relativ günstig, da sie in großen Stückzahlen im Land gebaut werden und nicht den hohen Importzöllen unterliegen. Auf der gesamten Reise von 2.100 km Länge benötigte der Toyota Hilux im Schnitt 7,6 Liter Diesel, die Treibstoffkosten beliefen sich auf rund 130 Euro. Eine Animation der Route mit Bildern gibt es hier.

Über Ayutthaya nach Sukhothai und Chiang Mai

Von Bangkok aus ging es zunächst nach Ayutthaya, das ins 18. Jahrhundert hinein eine bedeutende Metropole in Südostasien war, bis die Burmesen es 1767 fast vollständig zerstörten. Die Überreste der einstigen Pracht sind zum großen Teil im Historical Park und dem Chao Sam Phraya Nationalmuseum zu finden. Auf der hervorragend ausgebauten Autobahn gelangt man mit dem Toyota Hilux dann in nördlicher Richtung nach Sukhothai, der Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs im 13./14. Jahrhundert. In der alten Stadt, die vom Geschichtspark Sukhothai dominiert wird, gibt es jede Menge Tempel zu entdecken. Per Fahrrad oder Moped kann man den Park bequem erkunden und am Abend einen herrlichen Sonnenuntergang bei den Tempeln erleben.Chiang Mai, die größte Stadt Nordthailands, ist das nächste Ziel im Toyota Hilux. Die viereckig angelegte Altstadt wird von einem mit vielen Brücken versehenen Wassergraben umschlossen. Wer auf der Suche nach Kunsthandwerk ist, kann in Chiang Mai fündig werden. Besonders bei Silber- und Jadeschmuck gilt die Provinzhauptstadt als führend in Thailand. Wer dagegen mit Kindern unterwegs ist, sollte unbedingt den Chiang Mai Zoo besuchen. In einer schön angelegten Parklandschaft mit vielen Hügeln, eigener Sea World und einer riesigen Vogel-Voliere sind Tiere aus aller Welt zu sehen.

Fahrspaß mit dem Toyota Hilux im Gebirge

Anspruchsvoll für den Fahrer sind die Straßen nach Pai und Mae Hong Son. Die Staatsstraße 1095 bietet ein aufregendes Fahrerlebnis mit ihren zahlreichen Serpentinen und Haarnadelkurven. Hier gilt es, die Bremse gut zu dosieren und viel mit der Schaltung zu arbeiten, denn Steigung und Gefälle haben es wahrlich in sich. Dafür wird man mit traumhaften Aussichten und Landschaften belohnt. Bei der Fahrt auf Straßen mit starkem Gefälle sollte man gut auf vorausfahrende Fahrzeuge achten. Da in Thailand fast nur mit Automatik gefahren wird, sind sich viele Autofahrer nicht bewusst, dass beim Bergabwärtsfahren in einen kleineren Gang geschaltet werden muss. Passen Sie also auf, wenn die Bremslichter des Wagens vor ihnen dauernd leuchten und der Duft verbrannter Bremsbeläge in der Luft liegt. Orientiert man sich von Mae Hong Son wieder nördlich, führt die Staatsstraße 105 direkt an der burmesischen Grenze entlang. Diese Straße ist ein wahres Abenteuer, denn urplötzlich verwandelt sich der Asphalt in eine Schlaglochpiste, die nur im Schritttempo mit dem Toyota Hilux zu bewältigen ist. Auch das Handy funktioniert hier auf vielen Kilometern nicht mehr, man kommt sich weit abseits jeder Zivilisation vor. Erst als der Grenzfluß neben der Straße fließt, hat wieder alles seine gewohnte Ordnung.

Über Mae Sot zurück nach Bangkok

Mae Sot ist die Grenzstadt zu Burma. Hier steht die Thai-Myanmar-Freundschaftsbrücke, über die man (nur mit Visum) in die burmesische Stadt Myawaddy gelangt. Während die Stadt eher wenig Sehenswürdigkeiten bietet, lohnt ein Besuch auf dem Rim Moei-Markt, auf dem noch Tauschhandel in ursprünglichster Form praktiziert wird. Der Weg zurück nach Bangkok führt im Toyota Hilux wieder auf gut ausgebaute Staatsstraßen und Autobahnen, an denen alle paar Kilometer Rasthäuser und Coffee-Shops einladen. Nehmen Sie die Einladung an, denn Zeit bedeutet Freiheit, und die hat man sich im Urlaub verdient.

Service

Reisezeit
Für Nordthailand empfiehlt sich zum Reisen die Zeit zwischen November und Februar, wenn das Klima fast mediterran ist. Die Temperaturen betragen dann tagsüber um 29 Grad, nachts kann es bis auf 15 Grad abkühlen. März bis Mai ist es sehr heiß (um 34 Grad), danach beginnt die Regenzeit, die bis etwa Oktober dauert.

Mietwagen
Autos können an den großen thailändischen Flughäfen oder von Deutschland aus gebucht werden (beispielsweise über billiger-mietwagen.de). Für einen Kleinwagen mit den bestmöglichen Versicherungsleistungen sind im November etwa 30 Euro pro Tag zu rechnen. Super und Diesel kosten beide rund 60 Cent pro Liter (Stand: Dezember 2015). Achtung: In Thailand gilt Linksverkehr!

Essen und Trinken
Die thailändische Küche gehört unbestreitbar zum Besten, was Thailand zu bieten hat. Zahlreiche, oft scharfe Gewürze machen den Geschmack aus. Es lässt sich aber alles auch moderat gewürzt bestellen. Ein absolutes Muss für jeden Besucher sind die thailändischen Suppen und Nudelgerichte, die es ab 20 Baht (etwa 50 Cent) an jeder Garküche gibt. Scheuen Sie diese Art des Essens nicht, denn alles wird frisch und vor Ihren Augen zubereitet. Eine vierköpfige Familie bekommen Sie hier problemlos für acht Euro satt.

Übernachtung
Vom einfachen Guesthouse bis zur 5-Sterne-Nobelherberge mit Spa ist in Thailand alles möglich. Die Preise sind überwiegend human, man bezahlt pro Zimmer und nicht pro Person. In der Hochsaison von November bis Februar sollte man vorausbuchen.

Hotels auf der Nordthailand-Reise (Reisezeit und Währungskurs: April 2013)

Orchid Hibiscus Guest House, Sukhothai
Einfache und zweckmäßige Bungalows, Swimming-Pool, gut für Kinder geeignet, prima Frühstück mit hausgemachter Marmelade, wildem Honig und Überraschung, quirliger italienischer Besitzer. Pro Nacht 25 Euro

Oasis Baan Saen DoiSpa Resort, Chiang Mai
Luxuriöse Unterkunft mit Spa, sehr freundliches Personal, ausgezeichnetes Frühstück, ruhig gelegen in einer Wohnsiedlung. Pro Nacht 60 Euro

Baan Pai Nai Wieng, Pai
Einfache, aber blitzsaubere Unterkunft, zwei Minuten von der Walking Street entfernt. Sehr freundlicher Besitzer, gibt Tipps und spricht gut Englisch. Pro Nacht 17 Euro

Fern Resort, Mae Hong Son
Ökologisch ausgerichtetes Resort mitten in der Natur, schöne Holz-Bungalows, Swimming-Pool, Restaurant. Gut geeignet für Kinder. Pro Nacht 35 Euro

Im Boutique Hotel, Mae Sot
Einfache Unterkunft für den kurzen Zwischenstopp. Relativ neues Gebäude, sehr saubere und große Zimmer. Pro Nacht 21 Euro

Dieser Artikel entstand für AUTOStraßenverkehr.

„Das ist eine fliegende Wolke“

Guy Müller aus Luxemburg hatte bei der Paul Pietsch Classic 2013 ein ganz besonderes Auto am Start: Der Mercedes-Benz 600 SEC gehörte einmal Paul Pietsch. Mit der letzten Startnummer 102 (so alt wäre Pietsch 2013 geworden) schließt sich damit der Bogen zum Bugatti 35 T mit der Nummer 1.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Der Luxemburger Mercedes-Fan und Sammler Guy Müller war dies zweifellos, als er per Zufall 2009 im Internet auf den Mercedes-Benz 600 SEC stieß. Zu dieser Zeit war er gerade auf der Suche nach einem großen Coupé und verfiel sofort dem Charme und der Faszination des großen Mercedes. Die geringe Laufleistung und der ausgezeichnete Zustand waren weitere Pluspunkte, die für den Kauf sprachen.

Im Text wurde noch erwähnt, dass der Wagen früher einer bekannten Persönlichkeit gehörte. Müller sparte sich die Frage nach dem Erstbesitzer des Mercedes-Benz 600 SEC aber bis zum Schluss auf.

Volltreffer gelandet mit dem Mercedes-Benz 600 SEC

„Das war der Volltreffer!“ So bezeichnet es Guy Müller, als er erfuhr, wer der prominente Wagenbesitzer war. Zwar konnte er das Fahrzeug nicht persönlich von Paul Pietsch entgegennehmen, war aber allein durch Rang und Namen des Erstbesitzers elektrisiert: „Herr Pietsch hat ja Heiligenstatus in Deutschland, und es ist für mich eine besondere Ehre, dass gerade ich dieses Auto für die Zukunft aufbewahren kann.“

Zugelassen ist der Mercedes-Benz 600 SEC in Luxemburg, was hinsichtlich des Kennzeichens ein besonderer Glücksfall ist: Aufgrund der personalisierten Kennzeichen konnte sich Müller das wohl beste Kennzeichen reservieren, nämlich PP 1911. Die Initialen und das Geburtsjahr von Paul Pietsch sind eine Fügung des Schicksals für den Zweitbesitzer, denn damit kann er den Rennfahrer und Verleger auf den Straßen weiterleben lassen.

Hochtechnologie und maximaler Komfort

Das Coupé der C 140-Baureihe war und ist ein außergewöhnliches Auto: Der damalige Vorstandsvorsitzende Werner Niefer wollte zu Beginn der 90er-Jahre das maximal Mögliche hinsichtlich Motor, Sicherheit und Komfort in einem Fahrzeug vereinen. Der 600 SEC gehörte Anfang der 1990er-Jahre zu den technologischen Spitzenmodellen von Mercedes-Benz. Auch der V12 mit 6 Litern Hubraum und serienmäßig 394 PS ist im Mercedes-Benz 600 SEC ein Ohren- und Augenschmaus. Paul Pietsch war das aber noch nicht genug: Er bestellte den Wagen mit einem leistungsfähigeren Motor mit 438 PS. Bei einer Produktionszahl von 307 Stück im Jahr 1992 gehörte Paul Pietsch daher zu den ersten Käufern, die das Meisterstück von Mercedes-Benz fahren konnten.

Unerreicht komfortabel

Den Vergleich mit aktuellen Luxuswagen möchte Guy Müller eigentlich nicht gelten lassen: „Das kann man eigentlich nicht vergleichen. Es ist einfach ein super Motor und man fährt in dem Auto wie auf einer fliegenden Wolke. Das habe ich aus eigener Erfahrung in modernen Autos noch nicht erlebt.“

Mehr als 60 Jahre Automobilgeschichte liegen zwischen dem Bugatti 35 T von 1932 und dem Mercedes-Benz 600 SEC von 1992. Paul Pietsch bewies, dass er den Automarkt vollkommen überblickte und stets aktuelle automobile Hochtechnologieträger sein eigen nennen konnte. Dem Mann aus dem Schwarzwald wird mit der Paul Pietsch Classic ein würdiges Denkmal gesetzt, wenn sich historisch wertvolle Automobile zusammen mit ihren Lenkern auf Schwarzwaldstraßen rund um Offenburg begeben und so an den großen Rennfahrer und Verleger erinnern.

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Große Russische Pianisten

Bevor die Aufnahmetechnik ihren Einzug hielt, konnten Musiker nur live gehört oder nach ihren Auftritten in Texten beschrieben werden. Einen großen Fortschritt bedeuteten demnach mechanische Reproduktionsklaviere, bei denen das Spiel auf Lochstreifen aufgezeichnet wurde. Da diese Instrumente sehr originalgetreu und mit Anschlagsdynamik aufnahmen, konnten große Komponisten und Pianisten für die Interpretation eigener und fremder Werke gewonnen werden.

Marktführer auf dem Gebiet der Reproduktionsinstrumente war die Freiburger Firma Welte & Söhne, deren „Welte-Mignon-Reproduktionsklavier“ die Welt in kurzer Zeit eroberte. Schon um 1930 war diese Ära aber beendet, denn die Aufnahme- und Rundfunktechnik hatte sich inzwischen stark weiterentwickelt und verbreitet. Somit waren keine teuren Instrumente mit aufwändiger Mechanik und der Kauf von Musikrollen notwendig. Viele Pianisten schätzten aber die Reproduktionsinstrumente, da ihr Spiel nahezu originalgetreu ohne Qualitätsabstriche wiedergegeben wurde.

Dal Segno stellt große russische Pianisten vor

Auf einer CD von Dal Segno (DSPRCD038) werden russische Pianisten und Komponisten mit Aufnahmen vorgestellt, die zwischen 1908 und 1933 entstanden. Bekannte und weniger bekannte Künstler haben darauf meist kurze Stücke eingespielt, die ein außergewöhnlich authentisches Zeugnis ihrer Interpretationskunst darstellen. Vladimir Horowitz ist mit seinen frühesten Aufnahmen überhaupt vertreten, die er im Alter von 22 Jahren in Freiburg machte. Der prächtige, aber doch intime Aufnahmeraum bei Welte & Söhne scheint ihm, der eher kein Fan von riesigen Konzertsälen war, sehr gefallen zu haben. In den Rachmaninoff-Prelúdes, darunter die bekannten in h-Moll (op. 32/10) und g-Moll (op. 23/5), hört man den jungen Horowitz, wie er mit stupender Virtuosität und Klangsinn die Kompositionen seines Landsmannes anpackt und versteht intuitiv, welche Begeisterung er in den 20er Jahren auslösen und zu einem der berühmtesten russischen Pianisten des 20. Jahrhunderts werden konnte.

Sergei Prokofiev spielte eigene Kompositionen ein, darunter zwei Stücke aus seiner Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“. Die Geläufigkeit und Musikalität des hervorragenden russischen Pianisten begeistern auch heute noch. Besonders faszinierend ist es, dass die historischen Aufnahmen kein Remastering oder dergleichen nötig haben, sondern einfach auf einem Konzertflügel mit Reproduktionsmechanik und heutiger Aufnahmetechnik aufgenommen werden. Die Qualität ist daher auf heutigem hohen Niveau.

Neben Alexander Scriabin und Shura Cherkassy, der bereits mit zwölf Jahren für das Reproduktionsklavier aufnahm, sind auch wichtige Vertreter der russischen Klavierschule nach Paderewski und vor Neuhaus vertreten. Besonders eindrücklich ist eine Aufnahme der Polonaise D-Dur op. 17 von Moritz Moszkowski, gespielt von Leopold Godowsky. Seine Mühelosigkeit und Perfektion machen dem heutigen Hörer bewußt, welche grandiosen russischen Pianisten in der Nachfolge von Liszt existierten, deren Spiel heute nahezu unbekannt ist.

Christiane Karg: Amoretti

Christiane Karg: Amoretti

Christiane Karg ist eine Macherin. Fernab jeder Divenhaftigkeit konzentriert sie sich auf ihre Vorstellung von Musik und setzt diese konsequent um. Bestes Beispiel dafür ist ihre zweite Solo-CD, die unmittelbarer Nachfolger der mit dem ECHO Klassik ausgezeichneten „Verwandlung – Lieder eines Jahres“ von 2010 ist. Christiane Karg verwandte mehr als zwei Jahre auf das Projekt, wühlte sich durch Bibliotheken, hörte verschiedenste Aufnahmen und stellte sich so ihr Wunschprogramm für „Amoretti“, eine CD mit Arien zum Thema Liebe, zusammen. Damit aber noch nicht genug: Sie wählte auch Orchester, Dirigent und Aufnahmeort aus und ließ sich von der bekannten People-Fotografin Gisela Schenker für das Album ablichten. Ursprünglich war die Veröffentlichung bereits für Mai 2012 geplant, aber eine Perfektionistin wie Christiane Karg stört sich daran nicht: Erst wenn das Produkt vollständig ihren Vorstellungen entspricht, darf es auf den Markt.

Gesangliche Intrigen

Der große Aufwand hat sich zweifellos gelohnt. Die Sopranistin liefert ein Album ab, bei dem ausschließlich richtige Entscheidungen getroffen wurden. Christiane Karg konzentriert sich bei der Auswahl der Werke auf den Zeitraum einer Dekade und vereint die drei Komponisten Mozart, Gluck und Grétry auf einer CD. Dass Mozart bei der Komposition von „La finta semplice“ gerade einmal zwölf Jahre alt war, erstaunt den Hörer immer wieder aufs Neue. Die Arie „Amoretti“ der Rosina, in der sie die Liebesengel trotz ihrer Intrigen um Verschonung bittet, wurde zum Namensgeber für Christiane Kargs neues Album. Mit diesem innigen und stimmlich wunderbar ausgewogenen Einstieg beweist die Sopranistin gleich zu Beginn, dass Liebesengeln aller Art bei ihr nur das Dahinschmelzen bleibt.

Zum Schmelzen trägt das junge Ensemble Arcangelo bei, das 2010 von dem britischen Dirigenten, Cellisten und Cembalisten Jonathan Cohen gegründet wurde. Die Mitglieder von Arcangelo sind handverlesen und spielen sowohl auf historischen als auch modernen Instrumenten. Allen Musikern ist die Liebe zur Kammermusik gemein, für das neue Ensemble nehmen sie weite Anreisen in Kauf und stellen andere Projekte zurück. Jonathan Cohen ist zweifellos der Hauptgrund, denn seine Vorstellungen als Dirigent und seine weitreichenden Erfahrungen mit barocker und klassischer Musik prädestinieren ihn als innovativen, frischen und charismatischen Orchesterleiter. Ein Projekt im Rahmen der Glyndebourne Touring Opera 2010/11 hat Christiane Karg davon überzeugt, dass er mit seinem Ensemble genau der Richtige für die Amoretti-Aufnahme ist.

Mit Blitzen und Naturhorn

Der vorklassische Blitz schlägt dann bei „Comme un éclair“ aus Grétrys Oper „La Fausse Magie“ ein. Schon im dynamisch sehr differenzierten Vorspiel wird klar, dass sich der Komponist bereits von der oftmals schwülstigen Barockoper emanzipiert hat. Die flackernde und wieder erlöschende Hoffnung im Text der Arie wird von Christiane Karg meisterhaft in brillanten und klaren Koloraturen ausgedeutet. Tonmeister Adrian Peacock beweist hier sein Händchen für ein ausgewogenes Panorama, denn mit der Sopranistin als Mittelpunkt sind Continuo und hohe Streicher sehr natürlich klingend um sie gruppiert. Bei der Aufnahme selbst war Christiane Karg aus Gründen der optimalen Hörbarkeit für Orchester und Dirigent mittig in der letzten Orchesterreihe platziert. Der Tonmeister nutzte das hintere Drittel im Hauptchor für Orchester und Solistin in Saint Jude-on-the-Hill, einer bekannten Konzert- und Filmkirche in Hampstead Garden Suburb bei London.

„Lungi da te“ aus Mozarts Oper „Mitridate, re di Ponto“ war der Auslöser für Christiane Karg, ein Arienalbum zum Thema Liebe aufzunehmen. Für Freunde des Horns ist hier ein großes und wenig bekanntes Solo enthalten, das bei Arcangelo mit einem Naturhorn besetzt ist. Wer einmal diese Fassung erlebt hat, möchte eigentlich kein Ventilhorn mehr in diesem Stück hören. Die Sopranistin und Dirigent Cohen wählen ein eher bedächtiges Tempo, was die Arie des Sifare aber umso eindrücklicher macht. Christiane Karg hat die Fähigkeit, auch langsame Passagen stimmlich voll auszukosten und dringt in diesem Stück meines Erachtens tiefer noch als Cecilia Bartoli und Emma Kirkby in die Musik vor.

Zauberin auf dem wilden Meer

Drei Premieren machen das Album auch für Opernkenner zu einer Entdeckung: Zwei Arien von Grétry aus den Opern „Silvain“ und „Lucile“ sind neben einem Werk von Gluck Ersteinspielungen. In „Telemaco ossia L’isola di Circe“ widmet sich der Begründer der Opernreform im 18. Jahrhundert einem Familiendrama: Telemaco wird von seiner Mutter Penelope ausgesandt, um den Vater Odysseus zu finden und heimzubringen. Dabei gilt es, die Zauberin Circe zu überwinden, deren Arie „In mezzo a un mar crudele“ aus dem ersten Akt Christiane Karg darbietet. Gluck behandelt das melodische Element mit Priorität und stellt die Wildheit des Meeres mit einem durchlaufenden Bass und Sechzehntelketten dar, mal als Streicher-Tremolo, mal als Unisono-Skalen im ganzen Orchester. Die Sopranistin kann dabei ihre zupackende stimmliche Kraft und Leichtigkeit bei Koloraturen unter Beweis stellen. Es ist ein Vergnügen, Christiane Karg als Circe zu lauschen, wie sie als machtvolle Zauberin die Liebe erzwingen will, letztendlich aber scheitern wird. Eine makellose Beherrschung der Technik, Stilbewusstsein und feinsinnige Musikalität gestatten es der Sängerin, jede Art von Liebesengel mit musikalischem Bogen ins emotionale Mark zu schicken. Das zweite Album von Christiane Karg ist nach „Verwandlung“ ein weiterer großer Meilenstein in ihrer Karriere. Man darf gespannt sein, was sich die Sopranistin für das nächste CD-Projekt vornimmt. Der Vokal-Amoretto jedenfalls schießt steil nach oben.

Interview mit Christiane Karg: „Mozart ist einfach Perfektion!“

9. Februar 2012, St. Jude’s, Hampstead Garden Suburb, GB

Welchen Beruf hätten Sie ergriffen, wenn Sie nicht Sängerin geworden wären?

Ich wäre ziemlich sicher in die Gastronomie gegangen! Eventuell hätte ich mir auch ein Theologiestudium vorstellen können. Mit dem Gesang habe ich aber meinen Traumberuf gefunden, der sich durch viel Abwechslung auszeichnet.

Was steckt hinter Ihrem neuen Album „Amoretti“?

Als ich die Mozart-Arie „Lungi da te“ aus „Mitridate, rè di Ponto“ sang, habe ich mich in das Stück verliebt. Daraus entstand der Wunsch, eine CD mit Arien rund um das in der Oper ständig präsente Thema Liebe aufzunehmen. Neben dem frühen Mozart habe ich auch Gluck aufs Programm gesetzt und mit dem belgisch-französischen Komponisten Grétry eine wunderbare Neuentdeckung gemacht. Mein musikalischer Wunschpartner war Jonathan Cohen, den ich von einem Projekt her kenne. Nur mit ihm wollte ich dieses Unternehmen wagen, was glücklicherweise geklappt hat. Der Name des Albums rührt übrigens von der gleichnamigen Arie aus Mozarts Oper „La finta semplice“ her.

Ihr Begleiter, das Ensemble Arcangelo, spielt sowohl mit historischen als auch modernen Instrumenten. Welchen Stellenwert nimmt für Sie die historische Aufführungspraxis ein?

Zunächst muss man diese klug einsetzen, denn der Historismus alleine bringt es nicht. Die Hörgewohnheiten haben sich im Lauf der Zeit verändert, trotzdem muss das Stück schlüssig und stilgerecht interpretiert werden. Letztendlich zählen aber Gefühl und Musikalität, um eine Komposition zum Leben zu erwecken.

Wie singt es sich in der ungleichstufigen Stimmung mit dem etwas tieferen Kammerton?

Da wir auf A=430 Hz gestimmt haben, ist es für mich ein wenig entspannter zu singen. Gleichzeitig entsteht durch die Stimmung eine große Farbigkeit, die Instrumente können weicher und doch auch kantiger klingen, was mir sehr gefällt.

Wo sehen Sie bei Mozart, dem ein großer Teil der neuen CD gewidmet ist, das Geniehafte?

Mozart ist einfach Perfektion! Er schreibt einfach perfekt für die Stimme, je nach Alter und Reifegrad findet man als Sänger immer eine optimal passende Rolle. Es klingt oft einfach, ist in Wahrheit aber höchst komplex. Die Leichtigkeit ist das eigentlich Schwere bei Mozart.

Schreiben auch andere Komponisten so gesanglich wie er?

Mozart ist ohne Zweifel der Gesanglichste von ihnen. Händel, Strauss und Puccini sind aber auch sehr gut zu singen. Bach wiederum ist perfekt, liegt mir aber nicht ganz so gut wie die anderen genannten Komponisten.

Seit fast einem Jahrhundert erlebt der Konzertgänger eine Art Standardrepertoire. Wie grenzen Sie sich vom Mainstream ab und bringen die individuelle Note ein?

Ich versuche, Unbekanntes bekanntzumachen und Langeweile zu vermeiden. Die Abwechslung macht’s, das Publikum ist offener, als man denkt. Eine gesunde Mischung ist optimal, wobei schon einige bekannte Sachen dabei sein müssen.

Warum interessieren sich Ihrer Meinung nach nur wenig Kinder und Jugendliche für klassische Musik? Oder ist diese ausschließlich dem Bildungsbürgertum vorbehalten?

Nein, auf keinen Fall! Es liegt am Unwissen! In jedem Kind schlummert Begeisterung, man muss sie nur wecken. Das kann mit Musik, aber auch Sport oder anderem funktionieren. Man muss es aber wissen, und hier wird immer noch zu wenig getan.

Wie hören Sie Musik?

Ich bin sehr viel unterwegs und habe daher gar keine Anlage zuhause stehen. Mein mobiles Gerät hat gute Kopfhörer und wird von einer fruchtigen Firma hergestellt.

Ist die Sängerwelt, in der Sie sich aufhalten, nicht eine Kunstwelt?

Ja, sie ist wie jede andere Welt auch von der Selbstdarstellung der Individuen geprägt. Ein bisschen Touch von Hollywood ist wohl dabei. In der Öffentlichkeit muss man oft vorwiegend den Schein wahren, um sich selbst zu schützen.

Da Sie auch einer gastronomischen Karriere nicht abgeneigt waren: Verraten Sie Ihr Lieblingsgebäck?

Für die Ingwer-Stäbchen meiner Schwester würde ich sterben! Aber auch bei klassischem Hefeteig geht mir das Herz auf.

Text, Interview und Fotos der Aufnahmesitzung: Michael Rassinger
Fotos von Christiane Karg: Gisela Schenker

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Fünf Jahrhunderte auf Tasten

Francesco Tristano: bachCage

Eine Entdeckungsreise auf Tasteninstrumenten von Frescobaldi über Cage zu Tristano: Junge Künstler mit alter und neuer Musik kommen zu teils unerhörten Ergebnissen.

Alte Musik ist immer wieder spannend. Während Komponisten in späteren Epochen zunehmend genauere Angaben zur Ausführung machten, finden wir bei Komponisten bis ins 18. Jahrhundert häufig wenig mehr als den Notentext und einzelne Artikulationsangaben. Der Interpret als solcher ist gefragt, die Musik mithilfe seines Wissens und seiner Individualität zum Leben zu erwecken. Aarón Zapico ist ein solcher Musiker, der sich mit dem Cembalo auf das weite Feld der Barockmusik spezialisiert hat. Beim Label „Winter & Winter“ ist seine erste Solo-CD unter dem Titel „phantasia“ (No. 910 176-2) erschienen.

Frühbarocke Komponisten auf Tasteninstrumenten

Überwiegend Werke von Girolamo Frescobaldi und Johann Jakob Froberger hat Zapico eingespielt und damit bedeutende Literatur des frühen 17. Jahrhunderts für Tasteninstrumente versammelt. Beide Komponisten waren zu ihrer Zeit anerkannte Musiker und berühmte Virtuosen, die einen großen Einfluss auf ihre eigene und nachfolgende Generationen ausübten. Frescobaldi arbeitet stark mit den barocken Affekten, die sich bei ihm in kontrastreichen und kurzweiligen Stücken äußern. Besonders die Variationskunst und das freie Spiel in Toccaten und Kanzonen kennzeichnen den Stil des Italieners. Froberger führt und entwickelt das Werk seines Lehrers Frescobaldi fort und wird zu einem der aufregendsten und progressivsten Komponisten des Frühbarock.

Der Spanier Zapico benutzt für seine Aufnahme ein zweimanualiges Cembalo mit drei Registern nach historischem Vorbild. Je nach Werk wendet er eine französische und verschiedene mitteltönige Temperierungen an, die sich musikwissenschaftlich begründen lassen. Die Stimmung und damit verbundene Tonartencharakteristik ist eine Voraussetzung für die stilgerechte Wiedergabe alter Musik. Zapico weiß durch beherzte Virtuosität und leidenschaftliches Versinken in die Musik zu überzeugen. Besonders bei den Tanzsätzen Frescobaldis passt sein Temperament ideal zu den Stücken. Fast eine Stunde Cembalomusik einer Epoche beansprucht auch den Zuhörer: Zapico spielt unbestritten musikalisch auf hohem Niveau, aber durch die vielen, teils gleichartigen Stücke kann sich eine leichte Ermüdung einschleichen.

Die Planeten mit vier Händen

Bei Gustav Holsts Suite „The Planets“ von Nimbus Records (NI 5871) handelt es sich um eine Novität: Das britische Klavierduo York2, bestehend aus John York und seiner Frau Fiona, unterrichtet an der St. Paul’s Girls School, der Holst fast 30 Jahre als Leiter der Musikabteilung vorstand. Beim Stöbern in einem alten Schrank im Konzertsaal der Schule fand John York eine in Leder gebundene Ausgabe der „Planeten“, für ein Klavier zu vier Händen eingerichtet und mit Anmerkungen versehen von Holst und seinen damaligen Assistentinnen. Seit der Epoche der Klassik war es üblich, große orchestrale Werke als Auszug für zwei- oder vierhändiges Klavier herauszugeben. Unabhängig von einem Orchester konnten die Hörer und Musiker der damaligen Zeit das Werk auch im kleinen Rahmen hören, denn Klaviere waren an vielen Orten präsent.

Im Werkkatalog von Gustav Holst taucht sehr wohl eine Fassung der überaus populären Orchestersuite für zwei Klaviere auf, die vierhändige Fassung für ein Klavier ist aber eine Ersteinspielung. John York und seine Frau hielten die Zeit nunmehr für reif, das Werk dem CD-Katalog hinzuzufügen und gleichzeitig eine Tradition als Nachfolger von Holst an der St. Paul’s Girls School fortzusetzen. Bei der Übertragung der Orchesterpartitur auf das Klavier ergeben sich naturgemäß Einschränkungen: Klangfarben und Artikulationsmöglichkeiten der Orchesterinstrumente gehen verloren, da nur noch der Klavierklang zur Verfügung steht. Dafür können aber rhythmische und harmonische Details sowie bisher unerhörte Dissonanzen hervortreten, die gewöhnlich bei einer Wiedergabe durch Orchester untergehen. Die Frage ist, ob das Arrangement für nur ein Klavier beim Hörer keine Enttäuschung verursacht, der vielleicht den großen Orchesterklang des Werkes vermisst.

Gelungenes Arrangement der planetaren Suite

Ein klares Nein ist hier die Antwort. York2 schafft es, die Atmosphäre des Werkes vollständig auf einem Klavier zu reproduzieren. Die Anlage des Arrangements vermittelt dabei sogar Details, die bisher gerne überhört wurden. Auch hinsichtlich der geheimnisvollen und poetischen Abschnitte in der Musik von Holst gibt es keinerlei Einschränkungen, York2 beherrscht diese ebenso wie mächtiges Fortissimo bei großen Planeten. Die bei der Aufnahme zusätzlich eingespielten Stücke des Komponisten York Bowen, auch der englische Rachmaninoff genannt, machen diese 100% britische CD zu einer klaren Empfehlung für den Freund der Klaviermusik.

Newcomer aus Luxemburg: Francesco Tristano

Blättert man online oder auf Papier durch die Neuerscheinungen großer Labels, fällt seit geraumer Zeit auf, dass die neuen Künstler entweder sehr jung und modelartig erscheinen oder als Wunderkinder vermarktet werden. Idealerweise stimmen Aussehen und Musikalität überein, sodass sich in den Medien eine optische und akustische Vermarktung machen lässt. Im Zeitalter von YouTube ist es heute leichter und wahrscheinlicher, einen Künstler audiovisuell kennenzulernen anstatt auf einen Tonträger zu warten oder ein MP3-File zu suchen.

Der luxemburgische Pianist und Komponist Francesco Tristano ist ein solcher „Musiker 2.0“, der bewusst moderne Medien und Technik für seine Musik nutzt und nebenbei noch ziemlich fotogen wirkt. Als konservativer Mensch ist man anfangs skeptisch: Ein Absolvent der Juilliard School, der neben dem Konzertsaal noch in der Clubszene umherschwirrt und Bach „gestaltet“? Kann das seriös sein? Mit Verlaub, es kann. An Tristanos Seriosität als Musiker besteht allerdings kein Zweifel: Bereits im Alter von 19 Jahren spielte er unter Mikhail Pletnev mit dem Russischen Nationalorchester Klavierkonzerte von Prokofiev und Ravel ein. Auch eine Frescobaldi-CD und Bachs Goldbergvariationen sind in seiner Diskographie enthalten. Was macht den jungen Luxemburger aber spätestens seit der aktuellen CD „bachCage“ (Deutsche Grammophon/Universal) zum Shooting-Star in Klassik und Club?

Zunächst seine makellose Technik. Nur ein Spitzenpianist kann eine Bach-Partita derart lebendig und virtuos vortragen, dass man als erfahrener Hörer die Ohren spitzt. Tristanos Sinn für Klang ist ebenfalls hervorragend entwickelt und kommt in den langsamen Sätzen von Bach und den meditativen Stücken von Cage voll zum Tragen. Daneben bewirken die elektronischen Verfremdungen und eigenen Improvisationen eine Klanginstallation, die neuartig und faszinierend zugleich ist. Live wirkt sie auch für Nicht-Klassiker eindrücklich, auf der CD erschließt sich bei jedem Hördurchgang mehr von der Substanz der „playlist“ des Francesco Tristano. Zeitloser Bach und experimenteller Cage in einer unerhört neuen Aufmachung – eine aufregende Entdeckung.

Sie kam, sah und klaute – Diebstahlschutz von YellowFox

Anna Matuschek

Seit Mitte der 90er-Jahre sinkt die Zahl an gestohlenen Fahrzeugen in Deutschland kontinuierlich. Dennoch wechseln immer noch rund 20.000 Autos pro Jahr unfreiwillig ihren Besitzer, Tendenz steigend. Gibt es dagegen einen wirksamen Schutz? Wir testeten den GPS-Diebstahlschutz von YellowFox.

Den Wagen abgestellt, das abendliche Erfrischungsgetränk bestellt, als Lektüre eine Autozeitschrift. Der Freitagabend hätte noch schöner werden können, denn während der zweiten Koffeinbrause tauchte sie auf. Im kleinen Schwarzen, charmant und interessiert, des Kfz-Handwerks kundig, was auf Männer eine eigenartige Faszination ausübt. Das Gespräch kreiste gerade um die Zündkerzenreinigung, als ein Gang zur Toilette unvermeidlich wurde. Man(n) kennt das ja. Beim Zurücklaufen fantasierte ich noch, ob mir das Wesen in der Manier einer Jody Banks für alle Fälle den Zahnriemen meines guten alten Passats wechseln könnte. Leider wechselte aber nur meine Gesichtsfarbe: Das Car-Girl war weg, und mit ihr der Autoschlüssel, der im Sakko verstaut war.

Geklaut, aber trotzdem noch greifbar

Der normale Autobesitzer würde nun wahrscheinlich hektisch werden, Zeter und Mordio schreien, die Polizei anrufen, das Kennzeichen durchgeben. Ich konnte aber zufrieden den Gesichtsausdruck eines zur Jahreszeit passenden schokoladigen Schmunzelhasen annehmen: Im Auto ist ein GPS-Ortungsgerät verbaut. Das Girl hatte zwar nichts getrunken, aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auf meinem Smartphone fand sich nämlich schon die Alarm-Meldung, die als SMS und Email verschickt wurde.

Das Dresdner Telematik-Unternehmen YellowFox, ein bewährter Partner der Motor Klassik Rallyes, bietet in seiner Produktpalette auch Lösungen für Privatleute an. Die P-Box als Einsteigermodell zum Preis von 299 Euro (netto, Stand: 2012) lässt nicht nur eine exakte Fahrzeugortung zu, sondern bietet auch einen Diebstahlschutz samt Gebietsüberwachung und Alarm. Daneben nimmt sie dem Autobesitzer das lästige Schreiben des Fahrtenbuchs ab, falls dieser als Gewerbetreibender oder für die Firma unterwegs ist. So kann der Autobesitzer das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und sein Fahrzeug wirkungsvoll schützen.

Per Gebietsüberwachung von YellowFox immer im Bilde

Im vorliegenden Fall wurde die Gebietsüberwachung der P-Box genutzt. Über das Online-Portal von YellowFox lassen sich beliebige Bereiche auf der Karte mit einer Mindestgröße von 100 x 100 Meter definieren. Befährt oder verlässt das Fahrzeug diese Zone, erfolgt ein Alarm, der per SMS und Email zugestellt wird. Alternativ bietet sich auch der Einbau eines versteckten Schalters an. Wird dieser nach der Fahrt aktiviert, ist die Box scharf und meldet jede Veränderung der Position sofort und unabhängig von überwachten Gebieten.

Mit dem optionalen Bewegungssensor ist auch ein Abschleppen zwecklos: Hebt der Dieb das Auto an, hat der Besitzer nach wenigen Sekunden die Information auf dem Mobiltelefon. Zur Kommunikation zwischen P-Box und YellowFox-Portal wird im Gerät eine SIM-Karte mit einer Daten-Flatrate verwendet. Diese kostet zwar eine monatliche Gebühr (je nach Tarif ab 12,95 Euro netto), ermöglicht aber erst die kontinuierlichen Standortmeldungen und damit auch den Alarm.

Gesucht und gefunden

Im Fall der netten Dame aus der Kneipe wurde es dann spannend: Über den Laptop konnte der Wagen eindeutig geortet werden. Er hielt an einer Adresse in Stuttgart-Mitte. Da ich auf den Überraschungseffekt setzte, machte ich mich auf den Weg und stand bald darauf vor einer Autowerkstatt. Beim Spähen durch das Rolltor erblickte ich den Passat auf der Hebebühne. Das Car-Girl hatte bereits die Nummernschilder entfernt und demontierte gerade die Reifen. Wahrscheinlich bereitete sie eine Lieferung für den florierenden Ersatzteilmarkt vor und konnte Volkswagen-Teile gut gebrauchen. Bevor aber ihre Freunde mit dem Transporter anrückten, musste gehandelt werden.

Die Türe der Werkstatt schien unverschlossen, ein Vollprofi war sie definitiv nicht. Da das Girl nicht mit mir rechnete, war die freundliche Rückeroberung des Passats nicht allzu schwer. Die Zeit bis zum Eintreffen der Polizei verbrachte die Diebin in einem Reifenstapel. Es schien ihr zwar sichtlich unwohl zu sein, aber wenigstens war sie so gut aufgehoben. Den Zahnriemen hat sie mir übrigens nicht gewechselt.

SERVICE

Was tun nach einem Autodiebstahl?

1. Sofort die Polizei informieren. Ist ein GPS-Diebstahlschutz vorhanden, dies den Beamten erklären und die Ortung vornehmen, damit die Kollegen den Dieb stellen können.
2. Die Diebstahlmeldung innerhalb einer Woche an die Kfz-Versicherung übermitteln.
3. Die Zulassungsstelle muss ebenfalls über den Diebstahl informiert werden.
4. Abwarten. Wird das Fahrzeug innerhalb eines Monats gefunden, erhält man seinen Wagen zurück. Eventuelle Schäden übernimmt dabei die Versicherung. Taucht das Auto nicht mehr auf, bekommt der Versicherte den Wiederbeschaffungswert erstattet.

(Dieser Artikel entstand für AUTOStraßenverkehr.)

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Bir, iki, üç – Bavaturka!

Unterbiberger Hofmusik

Auf ihrer CD „Bavaturka“ mischt die Unterbiberger Hofmusik bayerische und türkische Einflüsse. Ein Porträt der sympathischen Musiker aus Bayern.

Ein Gehöft am Ende von Unterbiberg, nahe Staatsstraße und Autobahn. Die Dorfkirche mit obligatorischem Zwiebelturm und Friedhof gleich um die Ecke. Ich klingle am freistehenden Haus in der Mitte des Hofes und warte. Nach ein paar Sekunden geht über mir das Fenster auf. „Des gibt’s ja ned!“ Hausherr Himpsl streckt den Kopf aus der Luke und winkt mich nach oben. Das Fensterln spare ich mir aber und nehme die Treppe.

Fünfmal Himpsl: Die Unterbiberger Hofmusik

Familie Himpsl, bestehend aus Franz Josef, Irene, Xaver Maria, Ludwig Maximilian und Franz, ist die Unterbiberger Hofmusik. Seit nunmehr fast 20 Jahren sind die Bayern als musikalische Crossover-Botschafter unterwegs. Franz Josef, Trompeter und Chef der Truppe, erzählt mir bei einem Weizen, wie es dazu kam. Genau an dem Tisch, an dem wir uns in der Küche der Himpsls unterhalten, war 1992 Geburtsstunde der Hofmusik. Bei einem Jazz-Meisterkurs des Trompeters Claudio Roditi ergab sich eine lockere Bekanntschaft mit dem Jazz-Star, die in ein Weißwurstfrühstück bei den Himpsls mündete. Überrascht vom bayerischen Ständchen des Ehepaares, wechselte Roditi von der Weißwurst zur Trompete und jazzte zur bayerischen Weise. Es funktionierte auf Anhieb und der Grundstein für ein multikulturelles Crossover-Projekt war gelegt.

Himpsl, der bis vor wenigen Jahren noch hauptberuflich als Musik- und Sportlehrer arbeitete, brauchte einige Zeit, bis er Roditis hartnäckiges Werben um ein professionelles Ensemble begriff. Ab der ersten CD „Bajazzo (Unterbiberger Hofmusik meets Claudio Roditi)“ im Jahr 1995 begann die Unterbiberger Hofmusik, mit ihrem Programm auf Tour zu gehen. Aus einer kleinen privaten Idee war ein ernstzunehmendes Projekt mit professionellem Anspruch geworden.

Familie Himpsl geht den Crossover-Weg

Die Himpsl-Family ist durch die Bank musikalisch infiziert, die beiden älteren Söhne studieren ebenso Musik wie die Eltern vor über 20 Jahren. Nur der jüngste Sohn Franz konzentriert sich derzeit mehr auf die richtige Behandlung des Fußballs. Wichtig ist für Franz Josef senior neben der Aufführung originaler bayerischer Volksmusik das interkulturelle Element im Crossover-Bereich. Nach Jazz und brasilianischer Musik ist das neueste Projekt und damit auch die neue CD „Bavaturka“ der türkischen Musik gewidmet. Dies hat einen konkreten Grund.

Während seiner Lehrtätigkeit hatte Himpsl viel mit türkischen Kindern zu tun, die seine Schule besuchten. Als er sich daraufhin musikalisch weiterbildete, ein türkisches Lied lernte und sogar Türkischkurse an der Volkshochschule belegte, wurde er von Türken eher suspekt betrachtet. Man konnte sich sein Interesse für die türkische Kultur und Sprache nicht recht erklären. „Warum du machen?“, wurde er gefragt. Ganz klar: Himpsl ist ein musikalischer Integrator. Wie ein Schwamm saugt er musikalische Einflüsse auf und verschmilzt sie mit seiner bayerischen Musik. Heraus kommt ein abwechslungsreiches und höchst spannendes Programm, in dem türkische Musik und Instrumente mit bayerischen Klängen eine aufregende Symbiose eingehen. Wer die Unterbiberger mit „Bavaturka“ oder neueren CDs noch nicht live erleben konnte, kann dies regelmäßig in Süddeutschland nachholen.

Sound by BRIK

Die Zeit der großen Komplettanlagen schien vorbei, Individualität regierte allerorts. Nun schickt Taiwan multifunktionale HiFi-Briketts in die Welt, die uns fragen: Willst du eines oder alle?

Rückblende Mitte der 80er Jahre. Das Kind im Autor drückt sich die Nase an Schaufenstern platt und betrachtet mit großen Augen Komplettanlagen in allen Varianten. Riesige Türme stehen in den Konsumtempeln und locken zum Kauf. Sie sehen cool aus, haben alles, können alles: Platte, Radio, Kassette, manche sogar CD. Klang unterirdisch, aber damals völlig ausreichend. Die Optik ist entscheidend, und der Aufkleber mit „2 x 500 Watt“. Dabei genügt einmal „Ouvertüre 1812“ mit Erich Kunzel und dem Cincinnati Pops bei ordentlicher Lautstärke, um die Pappmembranen der Sperrholzlautsprecher mit einem unschönen Geräusch zu sprengen.

Zurück in die Zukunft. Ich laufe um die BRIK Komplettanlage herum, die auf dem Rack steht, und denke mir: „Donnerwetter, in 25 Jahren hat sich allerhand getan!“ Sechs putzige Briketts mit Alu-Front und blauen LEDs leuchten mir entgegen und fiebern ihrem Einsatz entgegen. Sie sehen cool aus, haben alles, können alles: Radio (Internet und UKW), DAC, Bluetooth, Phono. Gerade das vermeintlich Totgesagte, nämlich Radio und Platte, lebt nach einem Vierteljahrhundert immer noch, während sich die Kassette bereits verabschiedet hat und die CD langsam den Hut zieht. Wer steckt denn hinter BRIK?

BRIK: Komplett bezahlbar

Die junge Marke stammt aus Taiwan und wurde erst im Jahr 2010 gegründet. Hinter dem Unternehmen steht eine taiwanische Firma, die seit zwei Dekaden erfolgreich als OEM- und ODM-Zulieferer unterwegs ist. BRIK entstand als eine Initiative von Musikliebhabern und Ingenieuren, die eine bezahlbare und frei konfigurierbare Komplettlösung für zeitgemäße Musikwiedergabe entwickeln wollten.

Frei konfigurierbar? Ja, der Kunde sucht sich aus, ob er neben dem Verstärker als Quellen einen DAC, Phono, Bluetooth, Radio oder alles zusammen benötigt. Bezahlbar? Bei einem Preis von etwa 200 Euro pro Brikett ist das angemessen. Zeitgemäß? Und wie! Die Taiwaner orientieren sich am Markt, der weg von der CD in Richtung drahtlose und netzwerkgebundene Quellen sowie der guten alten Vinylscheibe tendiert. Die Frage muss aber gestattet sein: Haben die Jungs aus Asien einen High End Anspruch?

Ich für meinen Teil beantworte dies nach vielen Stunden Einsatz der BRIK Kombi mit einem Jein. Im Inneren der Geräte ist High Tech zu finden, die bei minimalistischem Schaltungsdesign ein Maximum an Möglichkeiten schafft. Das Ganze ist hübsch verpackt und lässt sich in jeder Umgebung zur Freude der Frauen platzieren. Man sollte als High Ender aber keine Wunder erwarten, denn die BRIKs sind nicht als Hauptanlage gedacht. Vielmehr können die kleinen Quader, die etwas größer als eine 3,5“ Festplatte sind, an verschiedenen Orten erfreuen: Beim Computer (PC/Mac), in der Küche, bei den Kindern, im Bügelzimmer, im Hobbyraum, im Esszimmer, in der Garage, im Badezimmer, im Schlafzimmer, in großen Toiletten … na gut, auf dem Abort wohl eher nicht.

Soundqualität für alle Lebenslagen

Das Credo der BRIK-Leute lautet: „… bringing quality sound to more people“. Keine Material- und Technologieschlacht also, sondern besserer Sound für mehr Menschen. Das ist doch was! Jetzt soll es aber direkt um die Geräte gehen, denn die putzigen Metall-Ziegel sind ziemlich vielseitig. Nur noch eines vorweg: Die Phono Stage konnte ich nicht testen, da sich derzeit kein Plattenspieler bei mir tummelt. Außer einer MM/MC-Einstellung lässt sich nichts an der Vorstufe konfigurieren. Damit ist sie wohl am ehesten für einen günstigen Einsteiger-Plattenspieler oder ein altes Gerät, das man günstig wiederbeleben möchte, gedacht.

Der DAC hat drei Eingänge, nämlich USB (asynchron), Coaxial und Optisch. Wer hochauflösendes Material übertragen möchte, muss aber aufpassen: Das Gerät schafft bis zu 24/192, aber nicht über USB, sondern nur mit S/PDIF. Man benötigt einen USB-auf-S/PDIF-Konverter, um die volle Qualität in den Konverter einzuspeisen. Hier kann man noch nacharbeiten, denn ein zusätzlicher Adapter macht den DAC weniger flexibel.

Mein Lieblingsgadget ist die Bluetooth Stage: Einfach per Smartphone das Gerät „BRIK Stereo“ anwählen, verbinden, und schon sprudelt die Musik heraus, wahlweise analog oder digital. Das ist wirklich eine komfortable Sache, da kein anderes Gerät oder sonstige Software beteiligt ist, sondern direkt vom Quellgerät auf die Stage gestreamt wird. Entweder lasse ich die Bluetooth Stage eigenständig wandeln oder führe das Signal in den BRIK DAC oder einen anderen Wandler. Die freie Konfigurierbarkeit ist das Tolle, denn DACs stehen bei vielen zuhause, aber eine Anbindung über Bluetooth ist derzeit nicht oft zu finden. Daher reicht schon dieses eine Brikett, um die große Anlage mit einer praktischen Funktion zu erweitern.

Das Internet- und UKW-Radio erfüllt vollauf seine Funktion, ist aber über die Fernbedienung fummelig zu bedienen. Für das Ablesen des Displays muss man auch direkt davor stehen oder sitzen, bei mehr als einem Meter hatte ich schon leichte Probleme. Die WLAN- und LAN-Einbindung dagegen verlief absolut problemlos.

Power und Klang

Wer sich mehrere BRIKs aufstellt, bekommt schnell ein Problem mit der Kabelei. Der Power Master macht damit Schluss, denn nun werden Amp und bis zu vier Quellgeräte über je ein schlankes Kurzkabel verbunden. Eine lohnende Investition und viel weniger Kabelsalat. Der vom Power Master befeuerte Vollverstärker hat drei Eingänge, zwei über Cinch und einen frontseitig als 3,5 mm Klinkenbuchse. Wer aber nun das Rechnen anfängt, stellt fest: Es sind zu wenig. Allein mit DAC und Bluetooth sind die beiden Cinch-Eingänge belegt. Was ist mit Phono und Radio? BRIK hat reagiert und einen Eingangswahlschalter für sechs weitere Geräte ins Sortiment aufgenommen. Als BRIKett in Standardgröße fügt sich der Quellen-Ziegel nahtlos in den Turm ein.

Fanfare, Trommelwirbel, Tusch: Der Klang. Für eine Zweit- oder Computeranlage tut’s verblüffend gut. Die 2×20 Watt des Amps schieben auch etwas hungrigere Lautsprecher an. Große Räume in Konzertlautstärke beschallt man eh nicht mit BRIKs, daher ist die Leistung völlig ausreichend. Man spürt aber schon, dass die Komponenten für Computer und Nahfeld optimiert wurden: Im Bass rummst es ordentlich, dann kommt erstmal dezente Zurückhaltung. Auch die Höhen sind brillant, die Sprachverständlichkeit hoch, die tiefgründigeren Mitten aber eher sanft ausgeprägt. Spaß machen tut die Kombi trotzdem, denn für entspanntes und intensives Hören habe ich meine große Anlage. Die BRIKs spielen ihre Stärke im Nahfeld und in guter Wohnraumbeschallung aus. Als frei konfigurierbare Komplettanlage ein großer Wurf aus Taiwan.

Daten

BRIK Vollverstärker: 3 Eingänge, 2 x 20 W Sinus. 189 Euro
BRIK DAC: 24/192 (Upsampling), 3 Eingänge (optisch, coaxial, USB), 1 Ausgang (analog). 179 Euro
BRIK Bluetooth Stage: 2 Ausgänge (analog, coaxial), 199 Euro
BRIK Internet Radio: Internet & UKW Radio, Mediaplayer (SD-Karte), LAN, WLAN, UPnP. 229 Euro
BRIK Phono Stage: MM/MC, Eingangsempfindlichkeit 4-6/0,4-0,6 mV, Eingangsimpedanz 46-56 kΩ/80-120 Ω. 139 Euro
BRIK Power Master: Zentrale Stromversorgung für BRIK Komponenten mit 4 x 12 V (Quellgeräte) und 1 x 20 V (Vollverstärker) Ausgang. 199 Euro

Maße je Gerät: 140 x 68 x 180 mm (B x H x T)

Vertrieb: TCG Handels GmbH, Tel. 05921/7884927, info@tcg-gmbh.de

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