Künstliche Intelligenz
Mich interessiert nicht, was KI kann. Sondern was sie bringt.
Kaum eine Technologie entwickelt sich derzeit so schnell wie Künstliche Intelligenz. Fast täglich erscheinen neue Modelle, Werkzeuge und Funktionen. Vieles davon ist beeindruckend. Aber längst nicht alles davon ist im Arbeitsalltag relevant.
Mich interessiert deshalb weniger, was mit KI theoretisch möglich ist. Mich interessiert, wo sie einen konkreten Unterschied macht: Wo spart sie Zeit? Wo verbessert sie die Qualität? Wo macht sie vorhandenes Wissen besser nutzbar? Welche Arbeit lässt sich automatisieren, wo braucht es weiterhin Erfahrung, Urteilskraft und Verantwortung?
Für mich ist KI kein Selbstzweck. Wenn ihr Einsatz keinen erkennbaren Mehrwert bringt, muss man sie auch nicht einsetzen.
Von einzelnen Aufgaben zu neuen Arbeitsweisen
Der Einstieg beginnt häufig mit einzelnen Aufgaben: recherchieren, Texte zusammenfassen, Informationen strukturieren, Entwürfe erstellen oder Daten auswerten. Schon damit lässt sich viel Zeit sparen.
Wirklich interessant wird es für mich einen Schritt weiter.
Was passiert, wenn KI nicht nur auf einzelne Prompts reagiert, sondern Teil eines Arbeitsablaufs wird? Wenn sie auf vorhandenes Wissen zugreifen kann? Wenn wiederkehrende Prozesse automatisiert werden? Wenn spezialisierte Assistenten oder Agenten bestimmte Aufgaben übernehmen und verschiedene Systeme miteinander arbeiten?
Dann geht es nicht mehr darum, mit einem neuen Werkzeug etwas schneller zu arbeiten. Es geht darum, Arbeit neu zu organisieren.
Die entscheidende Frage lautet für mich nicht: Was kann dieses KI-Tool? Sondern: Welches Problem löst es?
KI in der Kommunikation
Kommunikation ist dafür ein besonders interessantes Anwendungsfeld. Recherche, Analyse, Strukturierung, Textarbeit, Medienbeobachtung, Wissensmanagement oder die Vorbereitung unterschiedlicher Kommunikationsformate bestehen aus vielen Arbeitsschritten, bei denen KI unterstützen kann.
Ich habe in der Praxis erlebt, wie groß die Effekte sein können. Bei geeigneten Prozessen sind Zeitersparnisse von 40 bis 50 Prozent möglich – nicht durch einen einzelnen genialen Prompt, sondern durch die sinnvolle Kombination von KI, Wissen und Arbeitsabläufen.
Der eigentliche Gewinn besteht für mich allerdings nicht darin, die frei gewordene Zeit einfach mit noch mehr Content zu füllen. Interessanter ist, was dadurch wieder mehr Raum bekommt: einordnen, entscheiden, mit Menschen sprechen, ungewöhnliche Ideen entwickeln. Manchmal auch einfach gründlicher nachdenken.
Erst der Prozess, dann die Technologie
Ich beschäftige mich mit KI nicht aus der Perspektive eines Softwareentwicklers. Mein Hintergrund liegt in Journalismus, Kommunikation, Management und Unternehmertum.
Das prägt auch meinen Blick auf die Technologie.
Denn in Unternehmen besteht die Herausforderung selten darin, noch ein weiteres KI-Werkzeug kennenzulernen. Schwieriger – und interessanter – ist die Frage, wo sich der Einsatz tatsächlich lohnt.
Dafür muss man Prozesse verstehen: Wo geht Zeit verloren? Wo werden Informationen mehrfach bearbeitet? Wo steckt Wissen in Dokumenten, Postfächern oder einzelnen Köpfen, obwohl viele darauf zugreifen müssten? Welche Aufgaben wiederholen sich? Und welche davon sollte vielleicht gerade nicht eine Maschine übernehmen?
Deshalb beginne ich lieber mit einem Arbeitsablauf als mit einer Software.
Der Maßstab ist der Nutzen
Bei neuen Technologien lässt sich erstaunlich viel Zeit damit verbringen, jede neue Funktion auszuprobieren. Das kann Spaß machen. Es ist aber noch keine Strategie.
Mein Maßstab ist deshalb der Return on Investment. Der Ertrag muss dabei nicht immer unmittelbar in Euro messbar sein. Gesparte Arbeitszeit, bessere Qualität, schneller verfügbares Wissen oder weniger repetitive Arbeit haben ebenfalls einen Wert.
Ich investiere gerne eine Stunde, wenn daraus zehn oder hundert eingesparte Stunden entstehen. Eine Stunde, die nur dazu dient, die neueste Funktion ausprobiert zu haben, investiere ich deutlich weniger begeistert.
Kein Projekt mit Enddatum
Künstliche Intelligenz wird nicht irgendwann „eingeführt“ und ist dann erledigt. Modelle, Werkzeuge und Möglichkeiten verändern sich weiter – und mit ihnen unsere Arbeitsweisen.
Deshalb halte ich es für wichtiger, eine eigene Kompetenz im Umgang mit KI aufzubauen, als jedem neuen Tool hinterherzulaufen: Möglichkeiten erkennen, Ergebnisse beurteilen, Prozesse gestalten und immer wieder entscheiden, wo die Technologie sinnvoll eingesetzt werden kann – und wo nicht.
Mich interessiert KI vor allem dort, wo aus technischer Möglichkeit praktische Verbesserung wird.
