Eterna KulturSPIEGEL Edition

KulturSPIEGEL Edition: Eterna | Über Grenzen hinaus

Unter dem Motto „Über Grenzen hinaus“ hat die Edel AG 2012 in Zusammenarbeit mit dem KulturSPIEGEL eine neue 30-CD-Edition mit Aufnahmen des ehemals ostdeutschen Eterna-Labels herausgebracht. Was hat es nun mit dieser Marke auf sich, die bis zur Wende für die Konservierung der klassischen Musikkultur in der ehemaligen DDR verantwortlich war?

Die Historie von Eterna

Der Sänger und Schauspieler Ernst Busch (Jg. 1900) gründete zwei Jahre nach dem Ende des letzten Weltkriegs die Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH. Das Unternehmen, welches auch einen eigenen Musikverlag betrieb, wurde aber bereits wenige Jahre nach seiner Gründung enteignet und verstaatlicht. Aus der Schallplatten-Gesellschaft mbH wurde der volkseigene Betrieb Deutsche Schallplatten Berlin, der Musikverlag wurde vom Gesamtunternehmen abgetrennt. Eines der bedeutendsten Label dieses VEBs war Eterna, das sich auf klassische Musik spezialisierte und von seiner Gründung bis zur Wende auf über 5000 Veröffentlichungen kam.

Die Teilung Deutschlands trennte viele Künstler und Kulturstätten Ostdeutschlands hinter dem Eisernen Vorhang ab. Viele Namen sind daher im Westen nahezu unbekannt, da die Reisebeschränkungen es Künstlern nicht gestatteten, im aus sowjetischer Sicht exterritorialen Westteil Europas aufzutreten. Für viele Hörer wird diese Edition unerwartete Neuentdeckungen bereithalten, denn neben international bekannten Größen wie Kurt Masur, Peter Schreier, Ludwig Güttler oder dem Thomanerchor gab und gibt es Künstler, die ihren westlichen Kollegen in nichts nachstehen.

DDR-Kulturpolitik bestimmt Programm

Für die Programmauswahl mussten die Richtlinien der DDR-Kulturpolitik befolgt werden. Auch waren andere Reglementierungen bindend, wie zum Beispiel die Cover-Gestaltung und der Preis: 12,10 Ost-Mark pro Langspielplatte. Dennoch sind dies alles Nebensächlichkeiten, wenn es um die pure Musik geht. Das Repertoire der Edition beinhaltet vorwiegend deutsche Komponisten wie Bach, Händel, Haydn, Mendelssohn, Schubert, Mozart, Beethoven, Mahler, aber auch Werke von Vivaldi, Smetana, Mussorgsky und Zeitgenossen wie Eisler und Dessau. Die Klangqualität ist gut bis sehr gut, der Charme der LP wurde, soweit das möglich ist, auf das digitale Medium transportiert. Für eine Würdigung jeder CD ist der Platz hier zu limitiert, aber Stichpunkte und Eindrücke zu einzelnen Aufnahmen dürfen nicht fehlen.

Bruckner, 4. Sinfonie mit RSO Berlin unter Heinz Rögner: Zupackende und schlüssige Aufnahme, Orchester in Top-Form. Haydn, Sinfonien Nr. 93 & 94, Dresdner Philharmonie, Günther Herbig: Klassik mit Esprit und Elan. Schubert, Die schöne Müllerin, Peter Schreier und Walter Olbertz: Das ostdeutsche und tenorale Pendant zu Fischer-Dieskau, erforscht mit seinem fabelhaften Begleiter die Tiefen des Zyklus. Mendelssohn & Wieniawski Violinkonzerte, Igor Oistrach mit Gewandhausorchester Leipzig unter Franz Kowitschny: Die Mühelosigkeit und Virtuosität Oistrachs verblüfft immer wieder aufs Neue, die Leipziger begleiten kongenial. Bach Motetten, Thomanerchor Leipzig: Die Tradition des Knabenchors in Reinkultur.

Autor
Michael Rassinger
Datum
28. Dezember 2012