Auf ihrer CD „Bavaturka“ mischt die Unterbiberger Hofmusik bayerische und türkische Einflüsse. Ein Porträt der sympathischen Musiker aus Bayern.
Ein Gehöft am Ende von Unterbiberg, nahe Staatsstraße und Autobahn. Die Dorfkirche mit obligatorischem Zwiebelturm und Friedhof gleich um die Ecke. Ich klingle am freistehenden Haus in der Mitte des Hofes und warte. Nach ein paar Sekunden geht über mir das Fenster auf. „Des gibt’s ja ned!“ Hausherr Himpsl streckt den Kopf aus der Luke und winkt mich nach oben. Das Fensterln spare ich mir aber und nehme die Treppe.
5 x Himpsl: Die Unterbiberger Hofmusik
Familie Himpsl, bestehend aus Franz Josef, Irene, Xaver Maria, Ludwig Maximilian und Franz, ist die Unterbiberger Hofmusik. Seit nunmehr fast 20 Jahren sind die Bayern als musikalische Crossover-Botschafter unterwegs. Franz Josef, Trompeter und Chef der Truppe, erzählt mir bei einem Weizen, wie es dazu kam. Genau an dem Tisch, an dem wir uns in der Küche der Himpsls unterhalten, war 1992 Geburtsstunde der Hofmusik. Bei einem Jazz-Meisterkurs des Trompeters Claudio Roditi ergab sich eine lockere Bekanntschaft mit dem Jazz-Star, die in ein Weißwurstfrühstück bei den Himpsls mündete. Überrascht vom bayerischen Ständchen des Ehepaares, wechselte Roditi von der Weißwurst zur Trompete und jazzte zur bayerischen Weise. Es funktionierte auf Anhieb und der Grundstein für ein multikulturelles Crossover-Projekt war gelegt.
Himpsl, der bis vor wenigen Jahren noch hauptberuflich als Musik- und Sportlehrer arbeitete, brauchte einige Zeit, bis er Roditis hartnäckiges Werben um ein professionelles Ensemble begriff. Ab der ersten CD „Bajazzo (Unterbiberger Hofmusik meets Claudio Roditi)“ im Jahr 1995 begann die Unterbiberger Hofmusik, mit ihrem Programm auf Tour zu gehen. Aus einer kleinen privaten Idee war ein ernstzunehmendes Projekt mit professionellem Anspruch geworden.
Familie Himpsl geht den Crossover-Weg
Die Himpsl-Family ist durch die Bank musikalisch infiziert, die beiden älteren Söhne studieren ebenso Musik wie die Eltern vor über 20 Jahren. Nur der jüngste Sohn Franz konzentriert sich derzeit mehr auf die richtige Behandlung des Fußballs. Wichtig ist für Franz Josef senior neben der Aufführung originaler bayerischer Volksmusik das interkulturelle Element im Crossover-Bereich. Nach Jazz und brasilianischer Musik ist das neueste Projekt und damit auch die neue CD „Bavaturka“ der türkischen Musik gewidmet. Dies hat einen konkreten Grund.
Während seiner Lehrtätigkeit hatte Himpsl viel mit türkischen Kindern zu tun, die seine Schule besuchten. Als er sich daraufhin musikalisch weiterbildete, ein türkisches Lied lernte und sogar Türkischkurse an der Volkshochschule belegte, wurde er von Türken eher suspekt betrachtet. Man konnte sich sein Interesse für die türkische Kultur und Sprache nicht recht erklären. „Warum du machen?“, wurde er gefragt. Ganz klar, Himpsl ist ein musikalischer Integrator. Wie ein Schwamm saugt er musikalische Einflüsse auf und verschmilzt sie mit seiner bayerischen Musik. Heraus kommt ein abwechslungsreiches und höchst spannendes Produkt, bei dem türkische Musik und Instrumente mit ihrem bayerischen Pendant eine aufregende Symbiose eingehen. Wer die Unterbiberger mit „Bavaturka“ oder neueren CDs noch nicht live erleben konnte, kann dies regelmäßig in Süddeutschland nachholen.
