Mit Esprit und Elan – Epos Elan 15

Epos Elan 15

Die Epos Elan 15 folgt als Kompaktlautsprecher den erfolgreichen ES-, M- und Mi-Serien nach. War hier noch ein Fortschritt möglich?

Mein erstes Date mit ihr hatte ich recht spät. Es dürfte so etwa im Alter von 27 gewesen sein, als ich sie kennenlernte. Ihre Form war eher ungünstig, gelinde gesagt ziemlich altbacken. Auch ihre Front konnte mir keine Begeisterung abringen. Dazu noch lange dünne Beinchen und spitze Füße. Optisch also kein großer Genuß. Als sie aber zu sprechen begann, war es Liebe auf das erste Dezibel. Da gab es kein Zaudern und Zögern mehr: Ich löste sie bei ihrem bisherigen Besitzer aus, packte sie ein und nahm sie mit zu mir.

Nein, nein, sie war kein lebendiges Wesen, bestand sie doch vorwiegend aus Holz, Metall und Kunststoff. Aber reden konnte sie mit engelsgleicher Zunge, besser gesagt mit höchst inspiriert schwingenden Chassis. Die Rede ist von der ES12, einer erstmalig im Jahr 1996 vorgestellten Kompaktbox aus dem Hause Epos. Sie ist eine der älteren Schwestern der Epos Elan 15, die ich in diesem Test vorstellen werde.

Meister Creek steigt ein

Neben der ES12 besaß ich auch deren Nachfolgerin M12, die sozusagen zum ersten Meisterstück von Michael Creek wurde. Wenn von Epos die Rede ist, kommt man meist auf den Briten zu sprechen, dessen Verstärker bekanntlich ausgezeichnet mit Epos-Lautsprechern harmonieren. Zunächst mag dies ein Zufall gewesen sein, aber ein Glücksfall war es auf alle Fälle. Erst 1999 nämlich kaufte Creek die Firma Epos von Gründer Robin Marshall, mit dem er die nächsten Jahre eng zusammenarbeitete. Mit der Vorstellung der Modelle M12 und M15 wurden Elektronik und Lautsprecher systematisch aufeinander abgestimmt. Natürlich bringen die Komponenten auch einzeln ihre Leistung, aber das Zusammenspiel von Creek Verstärkern und Epos Lautsprechern ist für meine Ohren immer noch etwas Besonderes, das die beiden Marken auszeichnet.

Vor dem ersten Date mit Lady ES12 spielten ein McIntosh-Vollverstärker und Audio Physic Avanti bei mir daheim, die für sich gesehen tolles High End darstellten, aber in einem relativ ungünstigen und unterdimensionierten Raum arbeiten mussten. Vielleicht lag es auch daran, dass mich die Performance der ES12 so umhaute. Das Erlebnis ist mir bis heute präsent: Die Lautsprecher hingen via DNM-Kabel an einem kleinem Creek 4040, Quelle war ein Reson-Plattenspieler. Auf dem Teller drehte sich die Live-Aufnahme der „Friday Night in San Francisco“ mit den Gitarren-Virtuosen Al di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucia. Die Pressung war keine der Besten, aber was da aus den Lautsprechern kam, klang sensationell.

Ich könnte im Nachhinein nicht mehr sagen, welche Details mich genau beeindruckten, aber vermutlich war es der Gesamteindruck. Das Timing stimmte, es gab keinen Bruch, die Bühne war da. Nun ist ein derartiges Feuerwerk mit drei akustischen Gitarren nicht so schwer zu reproduzieren, könnte man meinen. Keine Stimmen, keine tiefen Bässe, kein komplexer Orchesterapparat. Dennoch klang es daheim auf meiner Anlage längst nicht so gut.

Musikalität und Geräte

Eigentlich weigere ich mich, ein Gerät musikalisch zu nennen. Eine elektronische Komponente ist so musikalisch wie ein Stück Brot, Musikalität gibt es nur beim Menschen. Falls die reproduzierende Elektronik aber die menschliche Musikalität bei der Aufnahme übermitteln kann, ist das Ziel erreicht. Manch einer sagt nun, die Geräte spielen musikalisch, ich sage einfach, es passt. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass ich nach der ES12 auch die M12 samt Creek-Verstärkern erwarb. Und nun steht also das neue Prachtstück aus dem Hause Epos bei mir: die neue Epos Elan 15.

Die Elan-Familie hat vier Mitglieder, die auf die Namen 10, 15, 30 und 35 hören, wobei die Zahlen das ungefähre Gehäusevolumen in Litern angeben. Im Vergleich zur ES12/M12 ist die Epos Elan 15 vom Volumen her um 25% gewachsen. Daher fühlt sie sich beim Handling auch wie ein mittelgroßer Kompaktlautsprecher mit knapp 9 Kilogramm Gewicht an. Die Chassis sind komplett neu konstruiert, Epos kehrt hier von seinem Aluminium-Hochtöner ab und stellt auf eine Gewebekalotte um, die mit einer erhöhten Empfindlichkeit einhergeht. Der Tief-Mitteltöner der Epos Elan 15 ist auf 18,7 cm Durchmesser angewachsen und soll durch seine Bauweise höhere Schalldruckpegel als seine Vorgängerkollegen erreichen. Die geringen Anforderungen an den Verstärker sind jedenfalls eine Tatsache, denn mein Creek 5350SE war noch zu keinem Drittel offen, als schon eine amtliche Lautstärke herrschte.

Epos Elan 15: Einfach, aber effektiv

Bei der Frequenzweiche hält man es so einfach wie möglich und so aufwändig wie nötig. Die Verwendung von Filtern 2. Ordnung erlaubt eine Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave. Da manche Lautsprecherentwickler auch aufwändige Filter 3. und 4. Ordnung einsetzen, spielen bei einer relativ einfachen Konstruktion wie der Epos Elan 15 Material und Gehäuse eine große Rolle. Die Verwendung hochwertiger Bauteile ist selbstverständlich, neben Metalloxid-Widerständen und Polypropylen-Folienkondensatoren ist die Elan-Serie im Inneren mit solid-core Kupferdraht verkabelt und handgelötet. Das Anschlussterminal ist sowohl für unkonfektionierte als auch konfektionierte Kabel mit Bananensteckern oder Kabelschuhen geeignet, jedes Chassis kann einzeln verkabelt werden.

Konstruktionsbedingt unterstützt das Gehäuse der Epos Elan 15 aus 18 mm MDF mit Echtholzfurnier bei der Filterung. Die Trennfrequenz liegt bei 3,2 kHz, der Übergang war selbst mit einem Sinus-Sweep-Signal kaum wahrnehmbar. Pro Lautsprecher werden zwei Blenden mitgeliefert, von denen die eine mit Stoff überzogen ist, die andere den freien Blick auf die Chassis zulässt. Diese sogenannte „audiophile“ Blende wird durch unsichtbare Steckverbinder befestigt und schließt bündig mit dem Hochtöner ab, während die Öffnung für den Tief-Mitteltöner abgerundet konturiert ist, um mögliche Reflexionen zu vermeiden.

Pflichten des Epos Elan-Halters

Kommen wir nun zu den zwei essentiellen Dingen, die Pflicht für jede Epos Elan 15 sind. Erstens: Im Lieferzustand sind die beiden Chassis am Terminal durch Blech-Gabelbrücken verbunden. Weg damit! Der Einsatz von Bi-Wiring-Kabel oder eines Bi-Wiring-Adapters bringt so viel mehr Klangausbeute, dass sich der Einsatz der Blechbrücken verbietet. Ich benutzte DNM single-core Lautsprecherkabel (single- und bi-wiring) und den Phonosophie Bi-Wiring-Adapter. Beide Lösungen boten ein hörbar besseres Ergebnis, sodass jeder Musikfreund seinen Epen diese günstige Upgrade gönnen sollte.

Zweitens: Ein kompakter Lautsprecher wie die Epos Elan 15 benötigt unbedingt einen ordentlichen Ständer, denn im Bücherregal oder auf sonstigen Abstellflächen verschenkt man Klang. Zudem empfiehlt sich ein Wandabstand von mindestens 20 cm. Ein maßgeschneiderter Ständer mit der Bezeichnung ST15 ist von Epos lieferbar, bei mir lief die Epos Elan 15 auf dem ebenfalls gut passenden ST12i. Vorteil des neuen Ständers soll unter anderem eine noch bessere Dämpfung durch Aufschäumung in den Metallrohren sein. Die Box wird auf Spikes platziert, der Ständer nimmt ebenfalls durch Spikes Fühlung mit dem Fußboden auf. Zumindest beim alten Ständer ist aber zu bemängeln, dass das mitgelieferte Werkzeug nicht der Rede wert ist. Ein flaches Schraubschlüsselchen taugt nicht gerade zum festen Anziehen von Verbindungen. Auch musste ich viel justieren, um Boden- und Fußplatte genau übereinander auszurichten. Der neue Ständer wird hoffentlich etwas leichter aufzustellen sein.

Rosa Rauschen mit offenen Ohren

Zum Einspielen gab’s 24 Stunden gegenphasiges Rosa Rauschen, die Stirnseiten der Epos Elan 15 schauten sich an und rauschten unter einer Decke los. Währenddessen suchte ich schon ein paar Aufnahmen für das Hören raus. Am nächsten Tag kam als erstes natürlich „Friday Night in San Francisco“ dran. Und da war er wieder: Dieser Eindruck, dass alles passt und stimmig ist. Man muss der Aufnahme zugute halten, dass sie für einen Live-Mitschnitt wirklich ausgezeichnet gelungen ist und auf vielen Anlagen gut klingt. Dennoch setzte sich die Epos Elan 15 sehr eindrucksvoll in Szene, positionierte die Akteure akkurat auf der Bühne und transportierte die unbändige Spielfreude und Virtuosität des Trios ins Wohnzimmer. Ich war mindestens so begeistert wie beim ersten Hören der ES12, wenngleich etwas abgeklärter als vor über einer Dekade. Muss wohl am Alter liegen.

Der neue Erlkönig

Nun hatte ich Lust auf den Erlkönig, diesmal in einer modernen Fassung von 2004: Rammstein vertonte und interpretierte das Goethe-Gedicht auf bisher unerhörte Weise. Der Titel gab der Epos Elan 15 gleich mehrfach Gelegenheit, sich zu profilieren: Ein Gitarren-Riff über sparsamer Hi-Hat-Begleitung eröffnet den Song, bis Till Lindemanns Stimme einsetzt. Hier wird deutlich, das die Epos ihr Timing beherrscht und die drei Elemente transparent und präzise zum Hörer transportiert. Zur zweiten Strophe setzt im Schlagzeug eine schlanke, knackige Bass drum mit knochentrockener Snare ein, während der Sänger mit seiner tiefen und leicht rauchigen Suggestivstimme das Gedicht rezitiert. Synthesizer und Bass kommen hinzu, die akustische Szenerie wird immer komplexer. Auch hier behält die Epos Elan 15 den Überblick und erlaubt es sich, den Bass nicht nur gepflegt, sondern richtig saftig rumpeln zu lassen. Trotz ihrer nur 15 Liter „Hubraum“ hat sie das Potential, den Nachbarn den eigenen Musikgeschmack nachdrücklich nahezubringen. Wenn dann der Engelschor einsetzt und sich das Kind greifen will, kommt die letzte Herausforderung für die Box: Zu den ätherischen Chorklängen, die scheinbar ganz rein sind, mischt sich im Hintergrund eine seltsam schiefe Stimme. Dieser falsche Gesang geht bei Lautsprechern, die es stimmlich nicht draufhaben, oft im Getöse unter. Nicht bei der Epos, denn hier höre ich im großen Getümmel immer noch, was genau diese Hintergrundstimme macht.

Auch bei anderer Kost leistete sich das britische Mädel keine Aussetzer: Egal ob klassische Violinkonzerte des Italieners Rolla, Chormusik von Sibelius, Klavierwerke mit Mihaela Ursuleasa oder Sinfonik mit dem Schwedischen Kammerorchester – es ist einfach in sich stimmig. Sollte ich nun Schwächen aufzählen, fiele mir nur ein, dass die Epos Elan 15 im Tiefbassbereich und bei hoher Lautstärke an ihre Grenzen kommen kann. Das ist aber bei einer Kompaktbox nichts Neues. Daher kann es für diesen Lautsprecher nur heißen: mission accomplished, audience happy.

Text & Fotos: Michael Rassinger

Author
Michael Rassinger
Datum
15. Februar 2013
Kategorie